Freitag, 8. September 2017

Rezension: Und du kommst auch drin vor


Habt ihr auch schon mal ein Buch gelesen, bei dem ihr das Gefühl hattet, dass die Autorin gerade euer Leben beschreibt? Genau so geht es der Protagonistin Kim in Alina Bronskys neuem Jugendroman Und du kommst auch darin vor. Ich habe den Roman bereits gelesen und stelle euch heute in meiner Rezension vor, wie er mir gefallen hat. 



WORUM GEHT ES?

Als die 15-jährige Kim mit ihrer Klasse eine Lesung besucht, traut sie ihren Ohren nicht. Die junge Autorin, die aus ihrem neuesten Werk vorliest, gibt genau Kims eigenes Leben wieder. Na gut, es ist nicht haargenau dasselbe, aber es gibt viele Überschneidungen. Deshalb beschließt Kim, sich das Buch zu kaufen, um zu erfahren, ob es noch weitere Parallelen gibt. Leider nimmt die Geschichte des Buches kein besonders gutes Ende, was Kim sehr zusetzt. Was ist, wenn dieses Ende auch bei ihr eintritt, wenn schon alles andere in ähnlicher Weise passiert ist? Zusammen mit ihrer besten Freundin Petrowna will Kim ein anderes Ende für diese Geschichte finden, die offenbar ihr eigenes Leben zu sein scheint und nimmt dabei sogar Kontakt zur Autorin auf. 


REZENSION

Rein optisch ist das Cover von Alina Bronskys Und du kommst auch drin vor ein toller Hingucker. Die Idee mit der Spiegelfolie ist wirklich raffiniert, denn man nimmt so direkt Bezug auf den Titel. Wenn man nämlich das Buch in die Hand nimmt, sieht man sich selbst in der Folie, womit man eben selbst auch darin vorkommt. Da haben sich Felicitas Horstschäfer und Katharina Netolitzky bei der Umschlaggestaltung wirklich etwas Tolles einfallen lassen.

Der Klappentext des Romans hat mich in der Verlagsvorschau direkt angesprochen. Ich versprach mir von dem Roman eine spannende Geschichte und überlegte, ob es vielleicht sogar in Richtung Jugendthriller gehen könnte.
Dem war allerdings nicht so, was prinzipiell nicht schlimm gewesen wäre, denn ich lasse mich auch gerne mal von Geschichten überraschen. Doch ich habe allgemein ganz andere Erwartungen an den Roman gehabt, die allesamt nicht erfüllt wurden.

Mir hat der Ansatz der Geschichte gut gefallen, da er durchaus sehr viel Potential bot. Dies wurde meiner Meinung nach aber absolut nicht ausgeschöpft. Dafür, dass es anfangs so aufgebauscht wurde, wie sehr Kims Leben dem der Protagonistin aus diesem ominösen Buch glich, rückt dieses Buch immer mehr in den Hintergrund und es geht einzig und alleine nur um Kim und ihr Leben. Das passt zwar generell zu Kims Charakter, sorgt aber keinesfalls für eine spannende Geschichte, denn so aufregend ist Kim nun mal nicht.
Für mich hat die Handlung also weder Hand noch Fuß. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass mal wieder etwas kommt, was in etwa dem Spannungsaufbau des Klappentextes gerecht wird, wartete da aber leider vergebens

Mit dem Schreibstil von Alina Bronsky hatte ich gar keine großen Probleme, es war eher die Ausdrucksweise, die sie an den Tag legte. Erzählt wird die Geschichte von der Protagonistin Kim, dementsprechend wird hier versucht, dem „Jugendslang“ gerecht zu werden. Damit habe ich mich allerdings oft sehr schwer getan, weil ich die Ausdrucksweise selbst für einen Jugendroman sehr dürftig fand und mich oftmals auch gefragt habe, ob es tatsächlich Jugendliche gab, die sich so ausdrücken. Mir kam die Wortwahl leider oft etwas asozial vor und auch die Respektlosigkeit, die hier wie selbstverständlich an den Tag gelegt wird, gefällt mir so gar nicht.

Ein besonders großer Störfaktor in dem ganzen Roman ist für mich allerdings die Protagonistin selbst. Prinzipiell mag ich Charaktere, die nicht so glatt und perfekt sind, aber bei Kim habe ich mir regelrecht die Zähne ausgebissen. Sie ist egozentrisch, verwöhnt und sofort sauer, wenn sich die Welt mal nicht um sie dreht. Dass sie nicht die hellste Leuchte ist, merkt man ziemlich schnell und auch, wie unselbständig sie ist. Außerdem benimmt sie sich überhaupt nicht so, wie man es von einer 15-jährigen eigentlich erwarten sollte.
Mir ist bewusst, dass in dem Roman genau dieses Verhalten kritisiert wird, weil es nun mal zum Erwachsenwerden dazu gehört, unabhängiger zu werden und selbst etwas in die Hand zu nehmen, statt einfach alles so passieren zu lassen und sich im Nachhinein darüber zu beschweren. Allerdings denke ich, hätte man genau das auch ganz anders verpacken können und sollen.
Eine Protagonistin, die schlichtweg unsympathisch ist, ist nun mal schwierig. Entweder sie kommt gut an oder nicht und bei mir ist leider Letzteres der Fall. Das liegt aber vielleicht nicht nur an ihrem unausstehlichem Verhalten, sondern auch daran, dass man nicht viel über sie erfährt. Für mich ist es immer leichter, das Verhalten anderer nachzuvollziehen, wenn ich deren Geschichte kenne. Von Kim weiß man am Ende des Romans aber genauso viel wie zu Beginn, man erkennt also leider keinerlei Entwicklung, was sehr schade ist, weil damit doch irgendwie die gesamte Handlung hinfällig wird.

Aber nicht nur Kim, auch die anderen Charaktere in dem Roman sind sehr schwach und nur oberflächlich skizziert. Ich finde es gut, dass hier versucht wurde Diversität mit einzubeziehen, damit es nicht nur weiße, deutsche Charaktere gibt. Gleichzeitig empfand ich es aber doch als sehr störend, wie immer wieder überdeutlich betont wurde, dass die neue Freundin von Kims Vater eine schwarze Frau ist oder dass Kims beste Freundin Petrowna einen Migrationshintergrund besitzt. Es kam mir so vor, als wären sie bloß darauf reduziert worden, was als sehr abwertend empfand. Gerade, wenn man Diversität mit einbringen möchte, sollte man nicht ständig darauf herumreiten.
Dennoch konnte ich mit zwei Charakteren in dem Roman anfreunden. Das war zum einen Kims beste Freundin Petrowna, die ich anfangs zwar auch nervig fand, die sich im Laufe der Geschichte aber zu ihrem Besseren entwickelt hat. Zum anderen ist da Jasper, den ich direkt mochte, dessen Rolle in der Geschichte aber eben auch zu oberflächlich angelegt wurde. Aus beiden hätte man deutlich mehr herausholen können.

Alles in allem hat mich Und du kommst auch drin vor leider sehr enttäuscht, weil ich mir mehr erhofft hatte und aus meiner Sicht auch sehr viel mehr daraus hätte werden können. So ist es leider eine Geschichte geworden, bei der zwar eine Botschaft mitschwingt, die aber von diesem verwirrenden Plot mit dem Buch und dieser unheimlich einnehmenden Protagonistin sehr überschattet wird. 


FAZIT

Alina Bronskys neuer Roman Und du kommst auch drin vor konnte mich leider so gar nicht abholen. Der Plot und die Charaktere sind leider nur sehr oberflächlich ausgearbeitet. Darüber hinaus störte mich einerseits die Art und Weise, wie die Jugendlichen in dem Roman miteinander umgingen, unheimlich, andererseits mochte ich es auch nicht, wie hier auf die Diversität einiger Charaktere herumgeritten wurde. Leider gibt es sehr viel, was mich an dem Roman stört, weshalb ich Und du kommst auch drin vor nur eines von fünf Kreuzen geben kann.




BUCHDETAILS

Titel: Und du kommst auch drin vor
Autor: Alina Bronsky
Verlag: dtv Junior
Preis: 16,95€
Sonstiges: Hardcover, 192 Seiten


Die Buchdetails sind der Webseite von dtv entnommen.
Vielen Dank an Stefanie Broller und dtv für das Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Hallo liebe Jenny,

    meine Rezension ist auch eben online gegangen und ich kann deine Gedanken zu 100 % verstehen und nachempfinden - von mir hat das Buch ebenfalls nur ein Sternchen bekommen. Mir hat das Buch auch überhaupt nicht gefallen, aus denselben Gründen, weshalb du es auch nicht mochtest - für mich definitiv ein Griff ins Klo und empfehlen würde ich es auf keinen Fall!

    Sehr schöne ausführliche Rezension!

    Liebste Grüße
    Ivy

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    1. Liebe Ivy,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Wie schade, dass dir der Roman auch nicht zugesagt hat.

      Liebe Grüße
      Jenny

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  2. Hi Jenny,
    auch ich kam überhaupt nicht mit Kim und ihrer Geschichte zurecht. Ich fand sie regelrecht dumm und habe gegenüber Kim regelrecht eine Aversion entwickelt! Ich habe deine Rezension in meiner verlinkt! LG Verena

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    1. Hallo Verena,

      vielen Dank für die Verlinkung! Ich kann dich absolut verstehen. Interessant zu sehen, dass andere dieselbe Meinung teilen wie ich. Dann liegt es wohl nicht an mir, dass der Roman mir nicht gefallen hat.

      Liebe Grüße
      Jenny

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