Dienstag, 7. November 2017

John Green Blogspezial: Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)


Bei dem Titel Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen) fragt man sich doch gleich, ob es wirklich 19 Versuche gebraucht hat, die erste Liebe zu finden. Die Antwort kann ich euch in meinem heutigen Beitrag zum John Green Blogspezial geben. 



WORUM GEHT ES?

Colin Singleton hat nicht nur eine große Vorliebe für Anagramme und Mathematik, nein. Auch Mädchen mit dem Namen Katherine mag er sehr gerne. Wie sonst soll er sich erklären, dass all seine bisherigen Freundinnen Katherine heißen? Wieso sie sich die Katherines von ihm getrennt haben, das versucht Colin übrigens mittels eines mathematischen Theorems zu erklären. Er stellt eine Formel auf, die ihm voraussagen soll, wann er das nächste Mal von einem Mädchen, möglicherweise einer weiteren Katherine, abserviert wird.
Sein bester Freund Hassan findet derweil, dass Colin sein Leben mal gehörig umkrempeln sollte. Jetzt nach dem 19. Versuch mit einer Katherine ist es an der Zeit für einen Neuanfang. Was eignet sich dafür besser, als ein großer Roadtrip?
Die beiden machen sich auf eine Reise quer durch Amerika und treffen dort auf die quirlige Lindsey Lee Wells. Die ist zwar keine Katherine, Colin will aber dennoch sein Theorem auf sie anwenden. Ob die Formel wohl auch auf sie anwendbar ist?


Die charaktere

Der Protagonist des Roman ist Colin Singleton. Ein siebzehnjähriger Junge, der über unheimliches Wissen verfügt und deshalb gerne mal als wandelndes Lexikon oder gar Wunderkind bezeichnet wird. Darüber hinaus liebt er Mathematik und ganz besonders Anagramme. Er interessiert sich besonders für Informationen, denen andere gar keine Beachtung schenken, weil sie sie eher in die Kategorie Unnützes Wissen packen.
Colin hat eine Schwäche für Mädchen mit den Namen Katherine. 19 verschiedene Katherines hatte er bereits in seinem Leben, aber auch Katherine XIX hat ihn schließlich abserviert, was ihn ziemlich deprimiert.
Dabei versucht er doch nur, seinem Ruf als Wunderkind mit einem IQ von über 200 gerecht zu werden und möchte besonders einzigartig sein. Dass er sich selbst den meisten Druck macht, übersieht er dabei allerdings.

Ebenso darauf fixiert, genau das einzuhalten, was andere von ihr erwarten, ist Lindsey Lee Wells. Lindsey weiß gar nicht so richtig, wer sie eigentlich ist. Stattdessen tut sie immer das, was andere von ihr erwarten und glaubt, dass sie das ebenso glücklich macht wie die anderen.
Erst als sie Colin trifft, bemerkt Lindsey, dass sie durchaus ein eigenständiges Individuum ist und sich demnach auch nicht so benehmen muss, wie andere es gerne hätten. Ihr eigenes Wesen ist nämlich gar nicht so schlecht, dass sie es verstecken müsste.

Da die Geschichte mehr auf Colin und Lindsey fixiert ist, dient Colins bester Freund Hassan eher als netter Sidekick, der aber dennoch eine zentrale Rolle spielt. Immerhin ist er es, der mit Colin den Roadtrip unternimmt.


BesonderheiTen

Anders als die anderen Romane aus Greens Feder ist dieser Roman nicht in der ersten Person Singular geschrieben, sondern es wird aus der dritten Person Singurlar erzählt. Wieso John diese Erwählweise gewählt hat, erklärt er so, dass Colin nun mal kein Charakter ist, der eine Geschichte so erzählen kann, dass sie für andere interessant klingt [1].
Auch im formalen Aufbau unterscheidet sich der Roman. Es gibt Matheformeln und Graphen, die natürlich Colins Theorem verbildlichen sollen. Außerdem gibt es Fußnoten im Roman, die einem nochmal genauere Informationen geben, zu Colin oder auch zu bestimmten Aussagen, die er trifft.

Die Zahl 19 kommt übrigens nicht nur im Titel vor. Gemeint mit den 19 vergeblichen Versuchen sind natürlich die 19 unterschiedlichen Katherines, die bisher in Colins Leben waren. Um diese besondere Zahl nochmal gesondert hervorzuheben, hat der Roman außerdem 19 Kapitel.

Worum es in dem Roman geht, ist sehr schnell erklärt, denn es sind die typischen Themen, die man in vielen Jugendromanen findet: Selbstfindung und Erwachsenwerden. Sowie das Ausbrechen aus den Erwartungen, die die Gesellschaft an einen hat.
Ein wesentliches Element in diesem Konzept ist der Roadtrip, den man übrigens auch in den späteren Romanen Greens wiederfindet. Es ist also quasi eine Reise zur Selbstfindung für Colin, der endlich bemerkt, dass mathematische Formeln sich nicht auf zwischenmenschliche Beziehungen anwenden lassen und dass er gar nicht so einzigartig sein muss, nur weil er überdurchschnittlich klug ist.
Gleiches gilt auch für Lindsey Lee Wells, die bis zur Ankunft von Colin und Hassan in ihrer Heimat, nicht so richtig weiß, wer sie ist und erst durch Colin wirklich herausfindet, dass sie so sein kann, wie sie sein möchte.

Brauchen wir nicht alle mal einen Roadtrip, auf welchem wir mehr zu uns selbst finden und uns von dem Druck, den die Gesellschaft uns auflegt, befreien können?


Vielen Dank an Hanser für die Bereitstellung eines Belegexemplars!

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