Mittwoch, 8. November 2017

John Green Blogspezial: Margos Spuren


Margos Spuren ist wohl einer der bekannteren Green Romane, da dieser vor zwei Jahren sogar schon verfilmt wurde, mit niemand geringerem als Cara Delevingne in der Hauptrolle. Was der Roman so zu bieten hat und welche Symbolik hinter dem Originaltitel Paper Towns steckt, erfahrt ihr im heutigen Blogspezial-Beitrag.



WORUM GEHT ES?

Früher einmal sind Quentin und seine Nachbarin Margo die besten Freunde gewesen. Nach einem prägenden Ereignis in ihrer Kindheit entfernen sie sich jedoch immer mehr voneinander. Auf der High School dann haben sie gar nichts mehr miteinander zu tun. Dennoch himmelt Quentin Margo nach wie vor an. Sie scheint jedoch stets unerreichbar für ihn, obwohl sie nur ein Haus weiter wohnt. Doch es ist nicht unbedingt die Distanz, die sie voneinander trennt, sondern die unterschiedlichen Interessen, die sie entwickelt haben.

Eines Abends taucht Margo jedoch vor Quentins Fenster auf und bittet ihn um Hilfe. Sie plant einen Rachefeldzug, bei dem ihr niemand geringeres helfen kann als Quentin, denn er ist der Einzige aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, der sie nicht enttäuscht hat. Obwohl sie ihn damit enorm aus der Komfortzone lockt, stimmt er zu und beide erleben eine sehr spaßige und ereignisreiche Nacht.
Am nächsten Morgen dann der Schock - Margo ist verschwunden. Im Prinzip ist das nichts Neues, denn sie ist in der Vergangenheit immer wieder mal verschwunden und tauchte dann ein paar Tage später wieder auf. Dieses Mal scheint ihre Abwesenheit jedoch etwas länger an zu dauern.
Doch wie bei den Malen zuvor hat Margo auch dieses Mal Spuren hinterlassen. Spuren, die ihre Eltern zwar bemerken, aber nicht verstehen können oder wollen. Dieses Mal richten sich die Spuren an Quentin, der ganz versessen darauf ihn, ihnen zu folgen, damit er Margo finden und hoffentlich wieder nach Hause bringen kann.



Die Charaktere

Quentin Jacobson, dessen Spitzname schlicht und einfach Q ist, ist der Protagonist der Geschichte. Die Leser erleben die Geschichte also aus seiner Perspektive. Quentin ist jemand, der nicht großartig auffällt. Er mag es gerne simpel, ist vernünftig und wohl das komplette Gegenteil eines Rebells.
Zu seinen besten Freunden zählen Ben und Radar. Die Drei geben ein wahnsinnig tolles Trio ab, das sich wunderbar ergänzt. Sie spielen gemeinsam in einer Schulband, spielen Videospiele und ziehen sich gegenseitig auf.

Das komplette Gegenteil von Q ist seine Nachbarin Margo Roth Spiegelman. Als Kinder verband die beiden eine Freundschaft, die jedoch, geprägt durch ein einschneidendes Erlebnis, immer mehr abschwächte. Jetzt kann man wohl behaupten, dass Q und Margo wie Tag und Nacht sind.
Margo liebt es, etwas zu riskieren. Sie ist aufgeschlossen, abenteuerlustig und vor allem beliebt. Wenn sie anfängt, ihre Geschichten zu erzählen, hängen alle an ihren Lippen. Niemand zweifelt an der Glaubwürdigkeit ihrer Geschichten, denn jeder nimmt sie ernst und erwartet derartige Geschichten von ihr.

Seit er klein ist, ist Quentin in Margo verliebt und das, obwohl sie immer unerreichbarer für ihn wird. Doch als Margo plötzlich vor seinem Fenster auftaucht und sie gemeinsam auf ihren Rachefeldzug gehen, scheint es, als würde die Verbindung von damals wieder neu entfacht werden. Q hat ein ganz eigenes Bild von Margo im Kopf, muss jedoch feststellen, dass sie doch ganz anders ist, als er erwartet hatte. Und genau das ist das große Problem.




BesonderheiTen

Obwohl der deutsche Titel Margos Spuren natürlich sehr gut zu dem Roman passt, sagt der Originaltitel Paper Towns noch etwas ganz anderes, etwas viel essenzielleres aus. Der Titel bezieht sich auf eine ganz eindeutige Textstelle:
„[…] Und all die Plastikfiguren, die in Plastikhäusern wohnen und ihre Zukunft verbrennen, damit ihnen warm bleibt. All die Plastikkids, die Plastikbier trinken, das ihnen irgendein Penner aus dem Plastikschnapsladen besorgt hat. […]“
John Green, Margos Spuren (S.65)
Darüber hinaus identifiziert sich Margo selbst als Plastikmädchen. Was sie damit sagen möchte, ist, dass die Menschen in ihrer Heimatstadt, einschließlich sie selbst, nicht echt sind. Man hat die Häuser dort hingebaut, die Menschen dort hingesetzt und jeder spielt bloß eine Rolle. Jeder tut, als wäre er etwas Besonderes, ist es aber nicht. Genauso wie sie. Sie tut abenteuerlustig und draufgängerisch, in ihr schlummert jedoch etwas ganz anderes.

Wie man bereits merkt, geht es auch in diesem Roman wieder Selbstfindung. Margo gibt vor, jemand zu sein, der sie nicht ist und erntet dafür sehr viel Bewunderung. Doch niemand kennt die wahre Margo, sondern nur die, die sie für alle vorgibt zu sein. Von ihren Problemen Zuhause weiß niemand, nicht mal ihre engsten Freunden, weil sie nichts durchblicken lässt. Immerhin erwartet niemand von ihr, dass sie Familienprobleme hat und sie kann niemanden dahingehend enttäuschen. Glücklich ist sie damit nicht, doch was sie glücklich macht, muss sie erst einmal herausfinden.
Auch Quentin hat seine ganz eigenen Erwartungen an Margo und auch aus diesem Grund verschwindet sie.

Bereits in Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen) galt der Roadtrip als Symbol für eine Reise zur Selbstfindung und auch hier findet der Roadtrip aus genau diesem Grund statt. Quentin folgt Margos Spuren und begibt sich mit seinen Freunden auf eine abenteuerliche Reise. 


Verfilmung

Margos Spuren ist die zweite Romanverfilmung eines Green Romans. 2015 erschien der Film mit Nat Wolff in der Rolle des Quentin und Cara Delevingne in der Rolle der Margo. Zusammen mit Lea von Liberiarium war ich 2015 auf einem Fanevent, auf welchem wir nicht nur exklusiv 20 Minuten des Films vorab sehen durften, sondern auch John Green, Cara Delevingne und Nat Wolff live auf der Bühne sehen und ihnen Fragen stellen durften! Auf dem Event erzählte John übrigens, dass ihm der deutsche Titel Margos Spuren sehr gut gefällt. Wer mehr über das Event erfahren möchte, kann sich gerne den dazugehörigen Beitrag ansehen.

Obwohl der Film natürlich nicht 1:1 das Buch wiedergibt, zählt die Verfilmung für mich zu einer der guten Romanverfilmungen. Wer also erst einmal schauen möchte, ob das Buch etwas für einen ist, der kann vorab erst einmal den Film schauen.


Vielen Dank an Hanser für die Bereitstellung eines Belegexemplar!

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