Samstag, 25. November 2017

Rezension: Das Lied der Krähen


Das Lied der Krähen von Leigh Bardugo ist einer der Titel, der in den vergangenen Wochen und Monaten sehr gehyped wurde. Gespannt warteten alle auf die deutsche Veröffentlichung und auch ich war wahnsinnig neugierig auf den Titel und freute mich sehr darauf, den Roman endlich lesen zu können, nachdem mich bereits die Aufmachung schon total begeistert hat. Aber konnte mich auch die Geschichte der Krähen überzeugen? Das erfahrt ihr in meiner heutigen Rezension!



WORUM GEHT ES?

Sechs Außenseiter, sechs verschiedene Motive, eine Mission. Kaz Brekker, seines Zeichens Meisterdieb, zieht einen großen Auftrag an Land, dessen Belohnung sich durchaus sehen kann kann und stellt daraufhin ein Team zusammen, mit dem er die große Reise ins Unbekannte antreten will. Die Sechs könnten jedoch nicht unterschiedlicher sein. Jeder verfolgt sein ganz eigenes Ziel, angetrieben durch verschiedenste Motive. Eines ist ihnen jedoch von Anfang an bewusst: Diese Reise könnte ihre letzte sein, der Auftrag ihr Freifahrtschein in den Tod. Dennoch stellen sie sich der Herausforderung. Nur um dann festzustellen, dass hinter dem Auftrag sogar weitaus mehr steckt, als man ihnen anfänglich verraten hat.


REZENSION

Wie bereits angemerkt, finde ich die Aufmachung von Das Lied der Krähen wirklich sehr gelungen. Besonders der schwarze Schnitt ist etwas Besonderes und passt auch unheimlich gut zu der düsteren Atmosphäre des Romans. Da hat Knaur Fantasy sich wirklich etwas Tolles überlegt! Auch, dass das Cover des Originals übernommen wurde, kann ich nur loben und es sieht im Zusammenspiel mit dem schwarzen Schnitt toll aus. Ich habe den Roman nun schon einige Male in diversen Buchhandlungen gesehen und für mich war er immer wieder ein Hingucker!
Damit man die Reise der Charaktere auch immer nachvollziehen kann, gibt es in den Klappen übrigens zwei Karten. Die erste Karte zeigt die Länder, die eine Rolle spielen, egal, ob nun dort etwas passiert oder gar nur davon gesprochen wird. Die zweite Karte zeigt den Grundriss des Eistribunals. Ich habe schon öfter erwähnt, dass ich solche Karten immer sehr hilfreich finde, gerade in Romanen, in denen fiktive Welten bereist werden, weshalb mir die Karten hier auch wieder sehr zugesagt haben.

Apropos düstere Atmosphäre - ja, die herrscht die ganze Zeit über und ich finde auch, dass sie den Roman sehr auszeichnet. Nicht nur in der Umgebung spiegelt sich diese Atmosphäre wieder, sondern auch in den Charakteren und vor allem in der Sprache.
Manchmal habe ich mich da schon gefragt, ob Das Lied der Krähen tatsächlich noch als Jugendbuch gewertet werden kann oder nicht doch schon etwas zu grob dafür ist. Das soll kein Kritikpunkt sein, nein, mir hat das durchaus sehr gefallen! Ich mag den rauen Ton der Charaktere, die düstere Stimmung und die heruntergekommenen Gegenden, weil es eben genau das ist, worum es geht und die Außenseiterposition der Charaktere nochmal deutlich hervorbringt.

Besonders ist auch, dass der Roman aus verschiedenen Perspektiven geschrieben wurde. Das ist in der Tat sehr sinnvoll, denn so kann der Leser den Geschehnissen stets folgen, auch wenn die Charaktere nicht immer alle zusammen sind. Darüber hinaus werden auch Erzählungen aus vorherigen Kapitel aufgenommen und nochmal aus anderer Sicht wiedergegeben, was mir auch sehr gefallen hat. Ich mochte diesen Perspektivwechsel deshalb sehr, auch wenn ich mich meist eher schwer tue, wenn es mehr als zwei Perspektiven gibt.

Das Lied der Krähen stammt übrigens aus der selben Welt, wie die Grischa-Trilogie, dem Grishaverse, wie es auch genannt wird. Obwohl es hieß, dass der Titel auch ganz unabhängig von dieser Trilogie gelesen werden kann, habe ich es beim Lesen leider so empfunden. Ich hatte oft das Gefühl, dass mir ein bestimmtes Vorwissen fehlt, beziehungsweise, dass ein Vorwissen vorausgesetzt wird.
So musste ich mir zum Beispiel aus dem Zusammenhang herausziehen, was Grischa überhaupt sind. Ich möchte nicht sagen, dass es unmöglich ist, den Roman zu lesen, ohne die Grischa-Trilogie zu kennen, aber ich persönlich hatte das Gefühl, dass mir ohne die Textkenntnis der Trilogie einiges verloren gegangen ist und es mir dadurch manchmal auch schwerer fiel, mich von dem Geschehen packen zu lassen.

Generell hat mir der Roman anfangs eine Schwierigkeiten bereitet. Die Geschichte nimmt meiner Meinung nach erst sehr spät richtig Fahrt auf. Es wird sehr viel Vorarbeit geleistet, sehr ausgiebig erzählt, allerdings wird der Schwerpunkt für mich da doch auf eher nebensächliche Handlungsstränge gelegt, die mit dem eigentlichen Plot nicht viel zu tun haben.
Ich finde, die Geschichte kommt erst auf den letzten 200 Seiten richtig in Gang, aber spätestens ab da hat sie mich dann auch total mitgerissen und ich konnte das Buch vor Spannung nur schwer aus der Hand legen. Es wurde sehr spannend und auch die Plottwists haben mich teilweise wirklich verzweifeln lassen, weil ich das so gar nicht erwartet habe. Genau das hätte ich mir sehr viel eher gewünscht.

Ganz ausschlaggebend sind hier natürlich die Charaktere, die nicht unterschiedlicher sein könnten, aber eben doch genug gemeinsam haben, um ein Abenteuer zu bestehen. Vermutlich würde man sie eher in die Kategorie Anti-Helden packen, falls man sie überhaupt als Helden kategorisieren kann. Jedenfalls sind sie allesamt Außenseiter, die sich auf eine Mission begeben, die augenscheinlich so gar nicht zu ihnen passt.
Mein absoluter Liebling in der Runde ist Kaz. Für mich hätte es im Roman durchaus noch mehr Szenen nur aus seiner Sicht geben dürfen, denn ich habe seine Kapitel sehr genossen. Vor allem die Geschichten aus seiner Vergangenheit haben mich immer sehr mitgenommen und den Wunsch auskommen lassen, noch mehr über ihn zu erfahren!
Mein zweiter Liebling ist zudem auch Matthias, den ich ebenso in mein Herz geschlossen habe. Ich mochte es zu sehen, wie sehr er immer schwankte zwischen der Loyalität seiner Heimat gegenüber und seiner Verpflichtung gegenüber Kaz und dem Wunsch nach Freiheit, der damit verbunden ist. Außerdem fand ich seine Verbindung zu Nina sehr spannend, auch wenn ich mich mit ihr nicht so anfreunden konnte. Ich kann nicht mal genau sagen, woran es lag. Es gab Momente, da fand ich Nina sehr stark, aber oft hat sie mich irgendwie genervt.
Ganz anders war es bei Inej. Die hat für mich deutlich mehr polarisiert durch ihren starken Charaktere. Auch in ihren schwachen Momenten fand ich sie deutlich stärker und fühlte mich ihr näher.

Generell finde ich es großartig, wie Leigh Bardugo es geschafft hat, die Charaktere zu formen. Es wird sehr viel aus deren Vergangenheit preis gegeben, womit erklärt wird, wieso sie nun mal so sind, wie sie sind. Schließlich wird niemand so, wie er jetzt ist, geboren, sondern meist durch äußere Einflüsse erst so gemacht. Außerdem konnte man vereinzelt sehr gut miterleben, wie sich die Charaktere durch die Reise verändern. Die einzelnen Charakterentwicklungen haben mir gut gefallen.
Es war spannend zu sehen, was die Charaktere bereits alles erlebt haben. Auch wenn es manchmal leider schwer auseinander zu halten war, ob es sich nun um ein aktuelles Geschehen oder um die Vergangenheit handelt, weil sich die Erzählungen stilistisch nicht unterscheiden. Das hätte man besser lösen können, in dem das Vergangene in kursiv dargestellt wird.
Was ich allerdings etwas merkwürdig fand, ist, dass die Charaktere allesamt um 17-19 Jahre alt sind, aber wirken, als wären sie schon jenseits der 30. Jedenfalls haben sie auf mich schon sehr viel reifer und klüger gewirkt, als man es für junge Erwachsene für möglich hält.



FAZIT

Das Lied der Krähen konnte mich leider nicht ganz so überzeugen, wie es mir gewünscht hatte. Vielleicht hatte ich auch zu hohe Erwartungen an den Roman. Obwohl mir die Charaktere allesamt gut gefallen haben und den Roman durchaus tragen, fiel es mir am Anfang doch sehr schwer, am Ball zu bleiben, weil mir doch die Spannung fehlte. Erst gegen Ende nahm die Geschichte richtig Fahrt auf und konnte mich dann auch wirklich mitreißen, was total schade war. Dafür wurde es dann aber tatsächlich sehr spannend. Wer auf dunkle Atmosphären und düstere Charaktere steht, dem wird Das Lied der Krähen sicher gefallen. Von mir bekommt der Titel aber leider nur drei von fünf Kreuzen.




BUCHDETAILS

Titel: Das Lied der Krähen
Autor: Leigh Bardugo
Übersetzung: Michelle Gyo
Verlag: Droemer Knaur, Knaur Fantasy
Preis: 16,99€
Sonstiges: Klappenbroschur, 592 Seiten


Die Buchdetails sind der Webseite von Droemer Knaur entnommen.
Vielen Dank an Patricia Keßler und Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar!

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