Montag, 4. Dezember 2017

Rezension: Schloss aus Glas


Jeannette Walls' Schloss aus Glas ist eigentlich kein besonders neuer Titel, denn der Roman wurde bereits 2006 zum ersten Mal veröffentlicht. In diesem Jahr allerdings kam die außergewöhnliche Geschichte der Autorin auf die große Kinoleinwand. Worum es in Schloss aus Glas geht und was die Geschichte so besonders macht, erfahrt ihr in meiner heutigen Rezension. 


WORUM GEHT ES?

Die Kindheit von Jeannette Walls ist alles, aber auf keinen Fall gewöhnlich. Während andere einem geregelten Tag nachgehen, sieht jeder ihrer Tage anders aus. Manchmal wechselt ihre Familie in einer Nacht- und Nebelaktion den Wohnort. Auch sonst hält besonders ihr Vater nicht viel von Regeln und Gesetzen - zumindest nicht wenn sie von jemand anderem als ihm selbst kommen. Auch ihre Mutter genießt viel lieber die künstlerische Freiheit und betitelt jeden, der sich streng an Normen und Werte einer Gesellschaft hält, als großen Spießer. Jeannette und ihre Geschwister dagegen stehen oft zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite steht die Familie, ihre Eltern, die ganz andere Ansichten vertreten als die Gegenseite, ihre Mitschüler, Lehrer und andere. Erst mit zunehmenden Alter bemerkte Jeannette, dass ihr Leben auch anders verlaufen kann und dass es ganz alleine in ihrer Hand liegt, was aus ihrer Zukunft wird.


REZENSION

In Schloss aus Glas beschreibt die Autorin Jeannette Walls ihr eigenes Leben, insbesondere jedoch ihre sehr außergewöhnliche Kindheit. Das Buch liest sich aber nicht unbedingt als Autobiographie, sondern vielmehr als Roman. Wäre der Name der Autorin auf dem Cover nicht identisch mit dem der Protagonistin der Geschichte, würde man vielleicht gar nicht auf Anhieb darauf kommen, dass der Roman autobiographisch ist.

Nun stellt sich dem einem oder anderen sicherlich die Frage, was an Jeannette Walls' Vergangenheit so interessant sein könnte, dass sie gleich einen ganzen Roman darüber verfasst. Das verrate ich euch gerne!
Schloss aus Glas ist in fünf Teile unterteilt und jeder Teil befasst sich mit einem prägenden Abschnitt aus Jeannettes Leben. Der erste Teil fungiert sozusagen als Prolog zur Geschichte, denn in den darauffolgenden Teilen geht es vor allem um die Kindheit der Autorin. Begonnen wird die Geschichte, als Jeannette drei Jahre alt ist und man wird als Leser gleich mitten ins Geschehen geworfen.

Der Roman ist natürlich aus der Sicht der Autorin geschrieben, die aus der Ich-Perspektive erzählt. Man merkt tatsächlich auch sehr schnell, weshalb dies in dem Roman so wichtig ist, aber dazu komme ich später nochmal genauer.
Jeannettes Familie ist keine herkömmliche Familie. Sie leben nicht unbedingt nach den Regeln der Gesellschaften, ecken gerne mal an, weil ihnen gesellschaftliche Konventionen zu wider sind. Man könnte ihre Eltern durchaus auch als Freigeister bezeichnen. Das wäre auch vollkommen in Ordnung, gäbe es da nicht die drei Kinder, die das alles mitmachen müssen.
Die Familie reist von Ort zu Ort, bleibt dort so lange, bis das Geld aus ist und bevor ihnen ernsthafte Konsequenzen drohen, weil sie sich verschuldet haben, hauen sie ab. Dazu kommt, dass der Vater Alkoholiker ist, das Geld also gerne für seinen täglichen Bedarf an Alkohol oder eben anderen schönen Dingen ausgibt. Die Mutter nimmt das so hin, trauert aber vor allem ihrem Leben als Künstlerin her, dass sie aufgrund der Kinder aufgeben musste. Ja, und die Kinder nehmen das alles ganz einfach so hin, schließlich kennen sie es nicht anders. Für sie ist es völlig normal, von Lebensmittelresten zu leben, sich nicht täglich waschen zu können und von einem Ort zum nächsten zu reisen.

Ich habe beim Lesen oft wirklich schwer schlucken müssen, denn die Kinder haben gewiss kein leichtes Leben. Man merkt da erst mal selbst, wie gut die eigene Kindheit doch war. Das Schlimmste daran finde ich aber eigentlich noch, wie normal das für Jeannette ihre Geschwister doch zu sein scheint, ganz besonders, als sie noch klein waren. Es gab nichts, was sie ihren Eltern vorwarfen, weil sie eben doch nichts anders kannten. Genau deshalb ist es auch so wichtig, dass hier aus der Ich-Perspektive erzählt wird, denn dadurch wird das nochmal ganz deutlich gemacht.
Erst mit zunehmenden Alter, wenn die Kinder allmählich erwachsen werden, merken sie, dass dieses Leben nicht das ist, was sie sich für sich wünschen, auch wenn ihre Eltern offenbar sehr zufrieden damit scheinen. Dies spiegelt sich dann ebenso in der Erzählart wider. 

Der Roman hat mich teilweise geschockt, aber auch gerührt. Schockierend fand ich es ganz besonders, wie oft sexuelle Belästigung und Nötigung, besonders bei Kindern, thematisiert wird und wie das von den Eltern klein geredet wird. Das hat mich eigentlich nicht nur schockiert, sondern auch richtig wütend gemacht.
Es gab aber auch einige Passagen, die wirklich schön waren und mich gerührt haben. Ich finde es bemerkenswert, dass die Autorin uns an ihrer Geschichte teilhaben lässt. Aus dem Roman geht hervor, dass sie sich eine Zeit lang doch sehr für ihre Eltern geschämt hat. Aber dass sie dann darüber schreibt, zeigt ganz deutlich, dass sie nun darüber reden und ganz offen damit umgehen kann. Besonders ist hier auch die Schreibart. Man merkt deutlich eine Entwicklung im Ton, der anfangs noch ganz unschuldig ist, aber eben immer reifer und fordernder wird.
Es ist außerdem sehr besonders, dass in keiner Zeile jemals ein Vorwurf der Autorin mitschwingt. Jeannette Walls berichtet aus ihrer Kindheit so, als wäre es die Geschichte einer fiktiven Figur, man liest keine Wertung oder Kritik heraus, was aber nicht heißt, dass es nicht emotional ist.

Sicherlich ist Schloss aus Glas kein Buch, das man mal eben lesen kann. Es lässt sich zwar sehr leicht lesen, aber zumindest ich musste das Gelesene dann erst einmal verarbeiten und reflektieren, weil es eben doch keine leichte Kost ist. Vor allem aber musste ich sehr viel darüber nachdenken und habe mich oft gefragt, wie es mir in dieser Lage ergangen wäre.

Eine Sache gibt es dann aber doch, die mir nicht so gut gefallen hat und das ist die Länge einiger Passagen. Für mich wurde die Kindheit ganz ausschweifend erzählt, aber das Teenageralter und vor allem dann später die Zeit als Erwachsene kamen mir doch zu kurz. Sicherlich waren all die Ereignisse aus der Kindheit prägend für die Autorin, sonst hätte sie sie nicht in dem Roman niedergeschrieben, für mich persönlich hätten es aber doch ein paar weniger Kindheitserinnerungen und dafür mehr aus späteren Zeiten sein können.


FAZIT

Jeannette Walls Schloss aus Glas ist definitiv kein leichter Roman, den man mal eben so nebenher lesen kann. Das Erzählte bringt sehr viel Ballast mit sich, der einen unentwegt zum Nachdenken anregt. Wer jedoch auf der Suche nach einem anspruchsvollen Roman ist, der das Leben einer etwas anderen Familie beschreibt, der wird hier seine Freude haben. Ich habe auf jeden Fall großen Respekt vor Jeannette Walls, dass sie die Menschen an ihrem doch sehr unkonventionellen Leben teilhaben lässt. Deshalb bekommt Schloss aus Glas vier von fünf Kreuzen von mir.



BUCHDETAILS

Titel: Schloss aus Glas
Autor: Jeannette Walls
Übersetzung: Ulrike Wasel & Klaus Timmermann
Verlag: Diana
Preis: 9,99€
Sonstiges: Taschenbuch, 400 Seiten


Die Buchdetails sind der Webseite von Random House entnommen.
Vielen Dank an Diana und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

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