Mittwoch, 3. Januar 2018

Rezension: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken


Lange Zeit mussten die Fans von John Green auf etwas Neues warten. Zum Jahresende war es dann auch endlich soweit und der neue Roman Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken erschien auch bei uns, nachdem er Titel im Original bereits im Oktober erschienem war. Ich habe mich schon sehr darauf gefreut, den Roman endlich lesen zu können. Heute erfahrt ihr, wie mir der neue John Green Roman gefallen hat.



WORUM GEHT ES?

Aza Holmes hat es nicht leicht. Jeden Tag hat sie mit ihren Ängsten zu kämpfen, weshalb es ihr auch nicht so wichtig erscheint, dass der millionenschwere Russell Pickett verschwindet. Wäre da nicht ihre beste Freundin Daisy, die unbedingt herausfinden will, welches Geheimnis den Milliardär umgibt und die sagenumwobene Belohnung von 100.000 Dollar, würde es Aza wohl ziemlich kalt lassen, obwohl sie noch vor nicht allzu langer Zeit mit Picketts Sohn Davis befreundet war. Dennoch lässt sie sich von Daisy mitziehen und schafft es sogar, Mut zu beweisen und ihren Ängsten den Kampf anzusagen. Sie lernt dabei sogar sehr viel über sich selbst und darüber, wie andere sie wohl sehen müssen.


REZENSION

Ich war ganz aufgeregt, als bekannt wurde, dass es in diesem Jahr einen neuen Roman von John Green geben würde, da er in den letzten Jahren zu einem meiner liebsten Autoren geworden ist. Es war also klar, dass ich Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken natürlich auch unbedingt lesen wollte.

Rein optisch ist der Roman natürlich schon ein Hingucker. Das Cover konnten die Leser über die Hanser Social Media Accounts aus zwei Varianten wählen. Die Spirale und die Schildkröten haben nicht nur etwas mit dem Originalcover und -titel zu tun, sondern finden auch im Roman ihre Bedeutung. Der orangene Schnitt passt ganz hervorragend zum Cover und gibt dem ganzen Buch an sich nochmal eine besondere Note.

Besonders an diesem Roman ist vor allem die Protagonistin. Aza leidet nämlich an Angststörungen, etwas, womit auch der Autor selbst zu kämpfen hat. Gerade das hat mich auch sehr neugierig auf den Roman gemacht, weil es eben doch nochmal etwas Anderes ist, wenn jemand seine persönlichen Erfahrungen mit in eine Geschichte einfließen lässt.
Prinzipiell hat mir Aza an sich auch gut gefallen. Natürlich findet man keinen leichten Zugang zu ihr, wenn man ihre Ängste nicht versteht. Aber dass sie immer mehr in ihrer Gedankenwelt versinkt, sich Szenarien immer weiter ausmalt und dabei irgendwann von der Realität abweicht, das war etwas, womit ich mich zumindest teilweise gut identifizieren konnte.
Generell kann ich aber so im Nachhinein nicht sehr viel mehr über Aza erzählen, denn abseits dessen erfährt man leider nicht viel von ihr. Sie wird lediglich auf ihre Krankheit reduziert, was ich sehr schade finde.

Ohnehin nimmt Azas Krankheit den ganzen Roman in Anspruch. Es gibt leider keine besonders ausgetüftelte Storyline. Der Klappentext verspricht einem da deutlich mehr, aber leider verabschiedet sich die Geschichte bereits nach einigen Seiten von der Grundidee, die dann mehr zum Nebenschauplatz wird. Das Verschwinden von Russell Pickett wird so unspektakulär aufgelöst, dass ich mich frage, weshalb man überhaupt erst diesen Plot mit in die Geschichte gebracht hat, wenn man ihn dann so völlig nichtig werden lässt.
Auch die Sache mit den Schildkröten kam mir irgendwie total zu kurz. Ich bin davon ausgegangen, dass sie eine weit größere Rolle im Roman spielen, da sie nicht nur im Originaltitel Turtles All The Way Down ja sogar benannt werden, sondern eben auch noch auf dem Cover abgebildet sind. Dem ist aber leider nicht so. Da passt der deutsche Titel doch tatsächlich besser zur Geschichte.

Auch die anderen Charaktere im Roman sind zwar generell ganz nett gestaltet, aber keiner von ihnen erfüllt eine wesentliche Funktion. Der Roman könnte genauso gut ein einzelner Monolog von Aza sein, es würde vermutlich keinen sehr großen Unterschied machen. Die Einzige, die sich noch etwas abhebt und ein bisschen mehr John Green-Flair hereinbringt, ist Azas beste Freundin Daisy.
Daisy mochte ich tatsächlich sehr gerne, denn sie hat für mich etwas mehr Dynamik in die Geschichte gebracht, auch wenn sie mir manchmal auch schon ein klein wenig over the top war.
Davis dagegen ist auch wieder so eine Figur, die keinen wirklichen Zweck erfüllt. Er ist zwar der Love Interest für Aza, aber dann auch wieder nicht und mehr ist er dann sowieso schon mal gar nicht. Darüber hinaus weiß man von ihm eigentlich auch nicht besonders viel, was schade ist, weil der Charakter sicher auch noch etwas mehr Potenzial gehabt hätte.
Generell kann man über die Charaktere leider nur sagen, dass sie allesamt viel zu schwammig gestaltet wurden, indem ganz einfach auf falsche Schwerpunkte bei den Figuren gesetzt wurden. Mir fehlt da generell dieses Zwischenmenschliche, was die Charaktere verbindet.

Stilistisch gesehen merkt man dem Roman allerdings doch an, dass er aus der Feder von John Green stammt. Besonders wenn Aza versucht, ihre Angststörungen zu erklären, wird sehr oft auf Metaphern zurückgegriffen. Ein Stilmittel, das bereits auch in anderen Romanen Greens häufig verwendet wurde. Ganz besonders oft wird da die, auf dem Cover abgebildete, Spirale genutzt, mit der Aza verdeutlicht, wie ihre Gedanken sich immer wieder zuziehen, bis es kein Entkommen aus der Gedankenspirale mehr gibt.
Auch beliebt bei John Green ist die Einbindung von Zitaten. In diesem Roman ist es Davis, der stets aus berühmten Stücken der Weltliteratur zitiert, mit denen er die Posts auf seinem Blog beginnt, ehe er seine eigenen Worte darunter setzt..
Auch sprachlich kann Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken durchaus mit den anderen Romanen mithalten, nur inhaltlich leider nicht.

Von einem typischen Green Roman ist Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken meiner Meinung nach leider doch weit entfernt. Für mich konnte der Roman absolut nicht an Greens letzten Roman Das Schicksal ist ein mieser Verräter anknüpfen. Das macht mich ehrlich gesagt sehr traurig, denn ich wollte diesen Roman wirklich mögen. Aber leider hat er mich doch nur mehr enttäuscht zurückgelassen.   


FAZIT

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken konnte mich leider nicht überzeugen. Obwohl der Schreibstil mir wieder einmal sehr gut gefallen hat, konnte die Story an sich bei mir leider gar nicht punkten, weil es eigentlich gar keine richtige Handlung gab. Aza ist ein interessanter Charakter, der dem Leser einen Einblick verschafft, wie es ist, mit Angststörungen zu leben, aber leider nicht mehr. Gleiches lässt sich auch über die anderen Charaktere sagen. Man erfährt nicht viel von ihnen. Deshalb bekommt Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken leider nur drei von fünf Kreuzen.




BUCHDETAILS

Titel: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
Autor: John Green
Übersetzung: Sophie Zeitz
Verlag: Hanser
Preis: 20,00€
Sonstiges:  Hardcover, 288 Seiten


Die Buchdetails sind der Webseite von Hanser entnommen.
Vielen Dank an Charlotte Hassiepen und Hanser für das Rezensionsexemplar!

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