Dienstag, 24. April 2018

Rezension: Mein Sommer auf dem Mond


Auf den neuen Roman von Adriana Popescu habe ich schon ganz gespannt gewartet. Mein Sommer auf den Mond behandelt nämlich ein Thema, das in der heutigen Zeit, wie es scheint, immer mehr in die Öffentlichkeit rückt, es geht nämlich um psychische Erkrankungen. Gerade Depressionen sind zurzeit ein sehr populäres Thema, die auch in dem Roman behandelt werden, wenn auch nicht ausschließlich. Worum es in Mein Sommer auf dem Mond geht und wie mir der Roman gefallen hat, erfahrt ihr in meiner heutigen Rezension.



WORUM GEHT ES?

Die 16-jährige Fritzi hat sich ihren Sommer doch etwas anders vorgestellt. Zusammen mit ihrer besten Freundin wollte sie auf die Ostseeinsel Rügen reisen und dort Urlaub machen. Nun ist Fritzi zwar auf Rügen, jedoch aus ganz anderen Gründen. Aufgrund ihrer Panikattacken haben ihre Eltern sie in ein Therapiezentrum gebracht. Dort wird sie in die Gruppe der Astronauten aufgenommen, denen auch die drei Jugendlichen Bastian, Tim und Sarah angehören. Anfangs kommen die vier Jugendlichen so gar nicht zurecht, scheinen sie doch alle komplett verschieden zu sein. Niemand möchte so wirklich über seine Probleme reden, jeder von ihnen möchte bloß so schnell wie möglich wieder von dort verschwinden. Doch mit der Zeit zeigt sich, dass die vier Astronauten vielleicht doch nicht ganz so verschieden sind und eigentlich sogar gut zusammenpassen.


REZENSION

Mein Sommer auf dem Mond ist ein Jugendbuch der besonderen Art. Es geht nicht um das typische Teenagerdrama, das man von Romanen aus dem Genre erwartet, denn Autorin Adriana Popescu behandelt in ihrem neusten Roman nämlich ein ganz anderes, in diesen Zeiten vielleicht sogar viel wichtigeres Thema - nämlich psychische Erkrankungen bei Jugendlichen.

Geschrieben ist der Roman aus den Perspektiven von Fritzi und Bastian, zwei Mitglieder der vierköpfigen Astronauten-Gruppe aus dem Sonnenhof, einem Therapienzentrum auf der Insel Rügen. Ich bin beim Lesen teilweise wirklich über die Seiten geflogen. Das lag zum einen an der sehr einfachen, jungen Sprache, aber auch daran, dass mich die Geschichte von den Astronauten gefesselt hat. Es gab immer wieder etwas, das einen zum Weiterlesen animiert hat, seien es nun Geheimnisse, die noch gelüftet werden mussten oder eben der eine oder andere Plottwist, der plötzlich alles umgeworfen hat und den ich so gar nicht habe kommen sehen.
Ein große Freude waren für mich auch die popkulturellen Referenzen in dem Roman. Bereits die Überschrift des ersten Kapitels hat mich zum Schmunzeln gebracht, denn der Sonnenhof wird mit Hogwarts verglichen. Und auch sonst beinhalten die Kapitelüberschriften viele popkulturelle Referenzen. Generell wird immer wieder auf Fandoms, wie Harry Potter, Star Wars und anderen angespielt.
Mein persönliches Highlight war wohl, dass Fritzi bei der Aufzählung der Gryffindor Schüler Seamus Finnigan erwähnt hat! Das ist nämlich mein Lieblingscharakter und total underrated, wie ich finde. Das hat mir beim Lesen in der Bahn auf jeden Fall ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Die vier Astronauten habe ich alle ins Herz geschlossen, wenn auch nicht sofort. Gleich zu Beginn war ich ein großer Fan von Fritzi, aber noch mehr von Bastian und wie sie aufeinander gewirkt haben.
Fritzis direkte, trockene Art fand ich super. Ich mochte sie als Protagonistin sehr gerne. Dass sie an Panikattacken leidet, erfährt man relativ früh und ohne Umschweife. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass Fritzis Panikattacken gar nicht so richtig durchkamen. Man erfährt zwar etwas darüber und sie deuten sich auch ab und zu mal an, aber sie sind eben nicht so präsent und eindringlich thematisiert wie die Probleme der anderen Jugendlichen, sondern wirken dagegen eher passiv. Das finde ich sehr schade, da wir das Geschehene zum Teil eben besonders aus Fritzis Perspektive erfahren.
Nur zum Vergleich ist Bastians Erkrankung sehr viel präsenter, wenngleich ich auch das Gefühl hatte, dass die diagnostizierte bipolare Störung gleichzeitig auch schizophrenische Züge hatte, die aber so gar nicht thematisiert wurden. Da ich mich auf dem Gebiet aber nicht wirklich auskenne, mag ich darüber eigentlich gar nicht urteilen. Bastians Stimmungsschwankungen, die mit seiner Krankheit einhergehen, sind tatsächlich sehr gut durchgekommen und ich hatte durchaus das Gefühl, ihn und auch die Krankheit dadurch besser verstehen zu können.

Auch Tim gehört zu den Astronauten und eigentlich mochte ich ihn, trotz seiner rauen Art von Anfang an. Als hätte ich schon gewusst, dass er eigentlich kein übler Typ ist. Was Tims Problem war, habe ich irgendwie sehr schnell durchschaut und deshalb war die Überraschung hinterher nicht mehr ganz so groß, als er endlich mit der Wahrheit rausrückte. Mir gefällt es aber sehr, dass nicht so sehr auf seinen Problemen herumgeritten wird, nachdem die Bombe erst mal geplatzt ist. Man merkt, wie gut Tim der Umgang mit den anderen tut und wie sehr er sich zu seinem Vorteil entwickelt. Besonders seine Bindung zu Sarah fand ich sehr schön.
Mit Sarah hatte ich anfangs tatsächlich meine Schwierigkeiten, da ich ihre Rolle in dieser Gruppe erst so gar nicht verstanden habe. Lange Zeit war sie mir ein wahrhaftiges Rätsel und in der Gruppe um Fritzi, Bastian und Tim viel zu passiv. Man wusste nicht, wo ihre Probleme lagen und weshalb sie im Therapiezentrum war. Da allerdings immer auf ihre üppige Oberweite angesprochen wurde, habe ich mir schon gedacht, dass es etwas damit zutun haben musste. Sarahs Geschichte hat mich tatsächlich am meisten berührt und mitgenommen. Gegen Ende hat sie sich auch definitiv zu meinem Liebling gemausert.

Obwohl der Roman sehr ernste Themen, wie Scheidung, Mobbing und psychischen Erkrankungen behandelt, herrscht im wesentlichen keine durchweg bedrückende Stimmung in der Geschichte. Eher wird sie mit einer sensiblen Leichtigkeit erzählt, jedoch ohne das alles zu verharmlosen. Es wirkt realitätsnah und gerade das macht die Geschichte so ergreifend. Dass neben den psychischen Problemen auch Freundschaften und Liebe eine zentrale Rolle spielen, zeigt nur noch mehr, dass auch Jugendliche mit solchen Erkrankungen eben doch immer noch ganz normale Jugendliche sind. Es ist also von allem etwas dabei und nimmt den Leser mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.


FAZIT

In ihrem Roman Mein Sommer auf dem Mond behandelt Adriana Popescu das sensible Thema psychische Erkrankungen auf eine realitätsnahe, aber auch sehr sensible Art. Durch die vier Astronauten bekommt man einen sehr guten Einblick in das Leben der psychisch erkrankten Jugendlichen, die darauf aufmerksam machen, dass in Menschen weitaus mehr vor sich gehen kann, als es äußerlich vielleicht scheinen mag. Die Autorin hat ein sehr ernstes Thema, in eine authentische Geschichte gepackt, die man jedem wärmstens empfehlen möchte. Auch die kleinen Fangirls und Fanboys werden durch die Einbindung von popkulturellen Referenzen auf ihre Kosten kommen. Mein Sommer auf den Mond konnte mich trotz kleiner Schwächen trotzdem überzeugen und bekommt deshalb nicht weniger als fünf von fünf Kreuzen.



BUCHDETAILS

Titel: Mein Sommer auf dem Mond
Autor: Adriana Popescu
Verlag: cbt
Preis: 13,00€
Sonstiges: Klappenbroschur, 400 Seiten

Die Buchdetails sind der Webseite von Random House entnommen.
Vielen Dank an das Bloggerportal und cbt für das Rezensionsexemplar!

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