Freitag, 20. April 2018

Rezension: MUTIG


MUTIG von Rose McGowan ist ein Roman, der polarisieren will. Lange hat die Schauspielerin darüber geschwiegen, was ihr in ihrer Zeit in Hollywood widerfahren ist. Aus Angst, aber auch, weil ihre Probleme stets klein gemacht wurden. Jetzt hat sie ihre Stimme wiedergefunden und lässt die Welt an ihrer Geschichte teilhaben. Wie mir MUTIG gefallen hat, erfahrt ihr in meiner heutigen Rezension.




WORUM GEHT ES?

MUTIG ist das Enthüllungsbuch der amerikanischen Schauspielerin Rose McGowan. Sie erzählt von ihrer Kindheit, die sie in einer Sekte namens „Children of God“ verbracht, sowie ihren Weg in die USA, wo sie schließlich quasi auf der Straße entdeckt und zur Schauspielerin gemacht wurde. „Gemacht“ deshalb, weil es irgendwann nicht mehr ihr freier Wille war, sondern sie bloß funktioniert hat in der Maschinerie Hollywood. Rose McGowan erzählt von ihrem Leben als Schauspielerin, was man von ihr verlangt hat und wie viel sie eigentlich opfern musste, um das nicht mal ansatzweise glamouröse Leben zu führen, dass man ihr nachgesagt hat. Sie räumt mit Hollywood auf und bricht ihr jahrelanges Schweigen. Jetzt hat sie ihre Stimme wieder, denn jetzt ist sie mutig.


REZENSION

MUTIG ist nicht nur der Titel des Buches, sondern auch der Schritt, den Rose McGowan gewagt hat, indem sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen ist. Im vergangenen Jahr hat die #MeToo-Debatte, sowie der Fall Harvey Weinstein große Wellen geschlagen und auch, wenn es bei uns hier in Deutschland nicht so angekommen ist, hat sich die Schauspielerin Rose McGowan ebenso dort eingemischt. Denn auch sie war ein Opfer.

Davon erzählt sie unter anderem in ihrem Roman MUTIG. Ihre Geschichte beginnt in ihrer Kindheit, in der schon nicht alles so lief, wie es sollte. Auch dort musste sie bereits mit Misshandlungen leben, die sie geprägt haben, denn ihre Eltern gehörten der Sekte „Children of God“ an, zu der auch Rose und ihre Geschwister zwangsweise gehörten.
Rose erzählt ganz schonungslos, was ihr in ihrer Kindheit, sowie ihrem späteren Leben widerfahren ist. Hierbei hätte ich mir allerdings ganz deutlich einer Trigger-Warnung gewünscht, denn es geht vermehrt um Vergewaltigungen und Misshandlungen, die teilweise auch detailliert beschrieben werden. Auch wenn man bereits aus den Medien davon erfahren hat, war es für mich dennoch schockierend, so explizit darüber zu lesen. An und für sich finde ich nicht schlimm, dass sie darüber berichtet, ich wäre nur gerne vorab darauf vorbereitet worden.

Man merkt der Schreibart deutlich an, dass Rose McGowan mit ihrem Roman nicht unbedingt provozieren, aber polarisieren will. Sie möchte gehört werden, nachdem sie all die Jahre geschwiegen hatte. Dabei gibt sie auch hin und wieder Namen preis oder winkt ganz deutlich mit dem Zaunpfahl, wenn es um bestimmte Männer in ihrem Leben geht, die ihr entweder etwas angetan oder eben einfach bloß weggesehen haben. Selbst wenn sie keinen Namen ganz eindeutig nennt, weiß man dennoch ganz genau, wer gemeint ist und das finde ich ausgesprochen gut! Denn nur wenn man diejenigen auch an den Pranger stellt und ganz offen darüber spricht, kann es Gerechtigkeit geben.
Ich habe mich beim Lesen oft dabei erwischt, wie ich der Autorin förmlich an den Lippen hing. Sie schreibt so, wie sie spricht, deshalb hat es sich für mich fast so angefühlt, als würde sie mit mir persönlich reden. Das war teilweise beeindruckend, aufgrund der Offenheit, aber eben auch beängstigend, denn teilweise war die Wortwahl sehr direkt und die Situation fühlte sich so real an. Man darf aber auch nicht vergessen, dass dieser Roman ganz und gar subjektiv zu verstehen ist. Es ist einzig und alleine die Perspektive von Rose McGowan, die zwischen den Zeilen steckt, was den Inhalt jedoch nicht im geringsten schmälert.

Mir gefällt es, wie Rose für die Gleichberechtigung von Frauen und Männer im Showbusiness kämpft, dass sie auf Ungerechtigkeiten öffentlich aufmerksam macht. Man merkt, dass es ihr nicht nur darum geht, bloß das Wort zu erheben und andere schlecht zu machen, wie man es mit ihr oft getan hat. Sie hat ein Motiv - nämlich die vorherrschende Männerdomäne in Hollywood zu entkräften.
Gleichzeitig finde ich jedoch auch, dass sie oft alle Männer der Welt über einen Kamm schert. Das mag daran liegen, dass sie persönlich überwiegend schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hat, dennoch ist es nicht fair, gleichermaßen auf alle Männer abzuzielen und sie anzuklagen, Frauen nicht genug zu achten und zu respektieren. So pauschal kann man das meiner Meinung nach eben nicht sagen. Ebenso wenig wie man alle Frauen in eine Schublade schieben kann. Für mich bewegt sie sich da leider teilweise doch auf sehr dünnem Eis und das ist mir beim Lesen etwas übel aufgestoßen.
Es lässt sich jedoch nicht verleugnen, dass in diesem Roman viele wichtige Dinge angesprochen werden, die in unserer Gesellschaft noch immer falsch laufen. Rose McGowan bringt einem mit ihrem Roman definitiv zum Nachdenken und animiert vielleicht auch andere ihr eigenes Verhalten zu überdenken.


FAZIT

In MUTIG rechnet Rose McGowan mit den hohen Tieren in Hollywood ab und bricht ihr jahrelanges Schweigen. Der Titel des Romans beschreibt auch perfekt, wie man diesen Schritt an die Öffentlichkeit werten soll - nämlich mutig. Rose McGowan nimmt kein Blatt vor den Mund, man merkt, dass wie sehr sie sich all das von der Seele reden möchte. Allerdings wäre meiner Meinung nach eine deutliche Trigger-Warnung zu Beginn sehr notwendig. Auch ihr stetiges Nachtreten auf die Männer dieser Welt war mir an manchen Stellen doch etwas zu stark, weshalb ich MUTIG alles in allem drei von fünf Kreuzen gebe. 




BUCHDETAILS

Titel: MUTIG
Autor: Rose McGowan
Übersetzung: Regina Schneider
Verlag: HarperCollins
Preis: 16,00€
Sonstiges: Klappenbroschur, 400 Seiten

Die Buchdetails sind der Webseite von HarperCollins entnommen.
Vielen Dank an vorablesen.de für das Rezensionsexemplar!

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