Freitag, 25. Mai 2018

Spoiler- & Triggerwarnung: 13 Gründe, warum wir die 2. Staffel "Tote Mädchen lügen nicht" so ganz sicher nicht gebraucht haben ...

Achtung: Dieser Post enthält Spoiler zur zweiten Staffel Tote Mädchen lügen nicht und behandelt triggernde Inhalte, wie sexuellen Missbrauch, Drogenmissbrauch und Waffengewalt!

Nach dem Erfolg der ersten Staffel haben wir alle sehnsüchtig auf die Fortsetzung der Netflix-Serie Tote Mädchen lügen nicht gewartet. Seit genau einer Woche ist die zweite Staffel nun draußen und auch ich konnte es gar nicht abwarten, diese endlich zu gucken.
Doch jetzt, nachdem ich die Staffel beendet und meine Gedanken sortiert habe, gibt es einiges, was ich dazu loswerden möchte, denn rückblickend bereitet mir diese Staffel vor allem große Bauchschmerzen. Weshalb das so ist, erfahrt ihr in meinem heutigen Blogbeitrag. 


Achtung: Dieser Post enthält Spoiler zur zweiten Staffel Tote Mädchen lügen nicht und behandelt triggernde Inhalte, wie sexuellen Missbrauch, Drogenmissbrauch und Waffengewalt!
Außerdem möchte ich anmerken, dass dieser Post ausschließlich meine persönliche Meinung widerspiegelt, also ganz subjektiv geschrieben ist. Mir ist bewusst, dass andere dies vielleicht ganz anders sehen und das respektiere ich absolut. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass auch meine persönliche Meinung gleichermaßen respektiert wird.


13 Reasons why

wir diese Staffel so ganz sicher nicht gebraucht haben! Ja, ich war sehr gespannt, wie die Serienmacher die zweite Staffel von Tote Mädchen lügen nicht aufziehen wollten. Inwiefern würde Hannah, die aufgrund ihres Selbstmordes in der ersten Staffel sehr präsent war, auch in der neuen Staffel präsent sein? Was passiert mit den Kids, die Hannah auf ihren Tapes benannt hat? Wer muss mit Konsequenzen rechnen? Und ganz wichtig: Wird Bryce sehr gerechte Strafe erhalten?
Ihr seht, es waren einige Fragen offen, von denen ich mir Antworten erhofft habe. Natürlich wurden auch tatsächlich einige dieser Fragen beantwortet, wenn auch nicht zufriedenstellend. Zumindest nicht für mich. Auch jetzt, zwei Tage nach dem ich die zweite Staffel beendet habe, habe ich immer noch eine enorme Wut im Bauch, denn sie ist so ganz anders geworden, als ich mir erhofft hatte - leider im negativen Sinne.
Wieso? Nun, das erkläre ich euch gerne. Ganz im Stil der Serie habe ich 13 Gründe gesammelt, warum wir diese zweite Staffel so nicht gebraucht haben. Die Reihenfolge ist nicht beliebig, es beginnt mit dem, was mir am meisten missfällt und das nimmt nach unten hin immer weiter ab.


1. BRyce

Bereits in der ersten Staffel fand ich Bryce einfach nur widerlich. Dass sich daran in der zweiten Staffel nichts ändert, ist fast schon löblich, aus Gründen von Continuity und so, jedoch sendet die Entwicklung dieses Charakters wohl ganz falsche Signale.
Bryce ist ein Vergewaltiger. Punkt. Daran gibt es auch nichts zu rütteln. Er hat nicht nur Hannah und Jessica vergewaltigt, wie sich nun herausstellt, sondern auch andere Mädchen und nicht nur das, er hat sich sogar noch einen Spaß daraus gemacht, sich dabei fotografieren zu lassen. Abartig, keine Frage.
Mich stört es leider ganz gewaltig, wie damit in der Serie umgegangen wird. Ich habe das Gefühl, dass es beinahe klein geredet wird. So nach dem Motto, „Ja, er hat Mädchen vergewaltigt, aber er war sich gar nicht so bewusst darüber, dass es wirklich eine Vergewaltigung war.“ Ähm, Entschuldigung? Er wusste das ganz genau, es war ihm nur egal, weil sein Vater ein einflussreicher Mann ist, der seinen Sohn aus jeder brenzlichen Lage rettet, um seinen Namen rein zu halten. Aber nur, weil Bryce ein weißer, privilegierter Junge ist, heißt das nicht, dass er mit einer Vergewaltigung davon kommen darf. Das tut er aber leider. Oh nein, entschuldigt, er bekommt drei Monate auf Bewährung. Und das macht mich unglaublich wütend und traurig.
Dieses Urteil in der Serie sendet nämlich nicht nur falsche Signale an Täter, sondern auch an Opfer., nämlich, dass ihre Stimmen zwar gehört, aber nicht für voll genommen werden. Gerade in der heutigen Zeit hätte ich mir sehr viel mehr Sensibilität für dieses Thema gewünscht.


2. Die ToilettenSzene in 2x13

Bevor ich mit der Staffel angefangen habe, habe ich bereits auf Twitter einige Reaktionen zu dieser Szene gelesen und dachte mir nur: Was zur Hölle passiert da? Und was soll ich sagen? Genau das dachte ich auch, als ich mir die Folge schließlich ansah. Triggerwarnung zu Beginn der Folge schön und gut, aber war das wirklich nötig? Und damit meine ich nicht nur die explizite Darstellung an sich, sondern den Verlauf im Allgemeinen.
Ich bin bereits zusammengezuckt, als Tyler von Montgomery brutalst gegen den Spiegel geschleudert wurde, aber was danach folgte, ich möchte es nicht ausschreiben, war furchtbar. Selbst jetzt, wo ich das hier schreibe, habe ich Tränen in den Augen, weil diese Szene, ohne übertreiben zu wollen, zerstörerisch ist. Dieses Ereignis hat Tyler zerstört. Man hat es gesehen, ich habe es gefühlt.
Nicht nur, dass Tyler körperlich misshandelt wurde, ich würde sogar soweit gehen und auch von einer sexuellen Misshandlung, als Vergewaltigung sprechen und die hätte es meiner Ansicht nach absolut nicht gebraucht. Ich kann eigentlich gar nicht in Worte fassen, wie falsch ich diese Szene auf so vielen Ebenen finde, auch wenn ich verstehe, was die Verantwortlichen damit bezwecken wollten. Sie wollten Tyler in ein Szenario stecken, das ihn vollständig bricht, mit dem letzten Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt, damit er schließlich den Amoklauf plant, den ich im Übrigen bereits seit Folge 1x13 erwartet habe. Doch das hätte man auch anders angehen können, wenn nicht sogar müssen, ohne den Zuschauer mit einem so großen Unbehagen und einer so expliziten Darstellung zurückzulassen. 


3. Waffenverherrlichung

Bleiben wir doch mal bei Tyler. Am Ende von Staffel 1 erfahren wir, dass er ein kleines Waffenarsenal besitzt und auch in Staffel 2 kristallisiert sich immer mehr heraus, dass er ein kleiner Waffennarr ist. Zuerst schießt er mit seinem neuen besten Freund Cyrus auf Glasflaschen, später dann auch Clay. Ohne, dass seine Eltern davon Wind bekommen und wenn, redet er sich extrem leicht heraus. Zwischenzeitlich wird er von seinem Vater sogar zu einem Schießstand der Polizei mitgenommen und ermutigt, richtig und sicher schießen zu lernen
Gleichzeitig erholt sich Alex von seinem Selbstmordversuch, bei dem er sich mit einer Waffe (oh Wunder!) in den Kopf geschossen hat. Dass er auf dem Weg der Besserung ist und keine allzu großen neurologischen Schäden davon getragen ist, ist für den Charakter natürlich sehr erleichternd und hat mich auch sehr gefreut, sendet aber an die Zuschauer gleichermaßen auch das Bild, dass so ein Kopfschuss auch gut ausgehen kann
Fällt euch etwas auf?
Richtig, der Besitz und die Benutzung von Waffen werden verherrlicht. Klar, in wenigen Sätzen wird auch mal erwähnt, dass Waffen gefährlich sind, aber im Großen und Ganzen wird der Gebrauch von Waffen eher unterstützt als unterbunden, ganz nach dem Motto Das ist doch jetzt nicht so schlimm und das finde ich gerade für eine jugendliche Zielgruppe äußerst kritisch, denn es sendet die falschen Signale. Es wird viel zu leichtfertig mit diesem schwierigen Thema, das gerade in den Staaten doch noch problematischer ist als bei uns, umgegangen und das finde ich alles andere als gut.


4. Drogenverherrlichung

Ähnlich, wie bei den Waffen werden auch Drogen in dieser Staffel verherrlicht. Dass Justin ein Drogenproblem hat, wird bereits in der ersten Staffel deutlich, aber nun in der zweiten Staffel wird das Ganze noch gesteigert, bedingt dadurch, dass er auf der Straße lebt. Prinzipiell finde ich das gar nicht mal so schlimm, denn das ist sogar halbwegs nachvollziehbar, es ist bloß die Art und Weise, wie damit umgegangen wird.
Clay, Sheri und Tony sorgen dafür, dass Justin clean wird. Aber als Clay in Justins Tasche schließlich Heroinspritzen findet und diese in der Toilette runterspült, scheint das Problem, nämlich dass Justin eben doch nicht clean ist, damit schon erledigt zu sein. Es ist egal, wie oft Justin immer wieder rückfällig wird, es hat für ihn keine Konsequenzen. Es wird eben so hingenommen, weil es eben auch niemand bemerkt. Wieder so etwas, dass genau die falschen Signale sendet, nämlich, dass Drogen doch gar nicht so schlimm sind. Außerdem wird dieser ganze Handlungsstrang, in welchem Justin clean werden soll, dadurch rückwirkend doch total irrelevant, oder nicht?

13 Reasons Why © Netflix

5. victim blaming

Bereits in der ersten Staffel wurde Victim Blaming bereits kritisiert und das Problem ist auch in Staffel 2 weiterhin vorhanden. Besonders Jessica muss es am eigenen Leib erfahren, dass ihr besonders in der Schule, niemand glaubt, obwohl sie die Wahrheit sagt über ihre Vergewaltigung. Stattdessen wird es so dargestellt, als wollte sie sich bloß an ihrem Ex-Freund rächen und hätte deshalb dieses Gerücht gestreut. Niemand nimmt sie für voll, auch später nicht, als sie endlich den Mut gefasst hat, vor Gericht gegen Bryce auszusagen und das ist leider ein Beispiel dafür, wie man es nicht angehen sollte. Ihr Mut wird nicht belohnt und das macht mich sehr traurig.
Natürlich kommen solche Fälle in der Realität oft vor, deshalb sprechen so viele Vergewaltigungsopfer nicht darüber. Doch hätte man nicht mal ein Szenario wählen können, in dem das Opfer gehört wird? Indem es Unterstützung und Verständnis erhält, nicht Ignoranz oder gar Ablehnung? Das hätte ein richtiges Zeichen gesetzt. Es hätte Mut gemacht und vielleicht etwas bewegt. 
Gleichzeitig finde ich auch, dass Hannahs Mutter Olivia ebenso Opfer von Victim Blaming wird. Sie ist eine trauernde Mutter, die selbst von ihrem Mann keine Unterstützung mehr erhält und trifft dennoch stets auf Ablehnung und Unverständnis. Nicht zuletzt wird der Laden der Bakers auch noch von Wandalismus heimgesucht mit der Aufforderung, dass sie doch verschwinden sollten. Übrigens bleibt auch das konsequenzenlos. 


6. hannah

Obwohl wenn man Hannah sicherlich auch unter Victim Blaming fassen könnte, möchte ich ihr einen ganz eigenen Punkt schenken. In Staffel 1 lernen wir Hannah kennen, wie Clay sie gesehen hat und auch, wie sie sich selbst gesehen hat. In dieser Staffel lernen wir aber noch viele andere Facetten von Hannah kennen und mir war schon ziemlich früh klar, dass mir nicht gefallen wird, was da noch alles kommt. Und was soll ich sagen? Ich hatte recht.
Für mich wird Hannah in ein sehr schlechtes Licht gerückt und teilweise habe ich mich da auch sehr unwohl gefühlt, bei dem, was über sie erzählt wurde. Natürlich sollte es in diesem Gerichtsprozess darum gehen, inwiefern sich all das Mobbing usw. auf Hannahs psychischen Zustand ausgewirkt hat, aber es wirkte auf mich eher so, als wollten alle bloß die Schuld von sich weisen. So tun, als wären sie gar nicht so böse gewesen, wie Hannah es auf den Tapes dargestellt hat. Es wird ein Schuldiger gesucht, denn es ist menschlich, dass immer jemand schuld sein muss und manchmal hatte ich das Gefühl, als wollten sie Hannah allein verantwortlich für ihren Selbstmord machen und das ist in meinen Augen nicht richtig, denn niemand von ihnen darf sich anmaßen darüber zu urteilen, in welcher Verfassung Hannah war, denn es hat nie jemand in ihrer Haut gesteckt. 
Hannah ist nicht selbst schuld daran, dass am Ende nur noch ein Selbstmord für sie infrage kam und mir gefällt nicht, wie unsensibel in dieser Staffel damit umgegangen wird, denn Selbstmord, gerade bei Jugendlichen sollte immer sensibel behandelt werden. 


7. clay

Dass Clay von Hannahs Geist verfolgt wird, hat mich zwischenzeitlich eher an eine Art Psychothriller erinnert. Zumal die Geist-Hannah so anders war, als die Hannah, die wir in Staffel 1 immer ins Clays Gegenwart erlebt haben. Und ich muss zugeben, dass sie mich enorm genervt hat, so dass ich froh war, wenn sie mal nicht zu sehen war. Dass Clay von Hannahs Geist heimgesucht wird, ist an und für sich gar nicht so abwegig, doch in gewisser Weise stört mich auch hier, wie das Ganze aufgemacht wurde.
So oft, wie Clay Hannah anbrüllt oder in normaler Lautstärke mit ihr spricht, habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wieso denn niemand merkt, dass er Halluzinationen hat. Das muss doch jemandem, nicht zuletzt Justin, der dann doch viel Zeit mit ihm verbracht hat, aufgefallen sein, oder nicht?
Generell muss ich sagen, dass all meine Sympathien, die ich noch in Staffel 1 für Clay empfunden habe, in dieser Staffel enorm geschrumpft sind. Ich habe immer mehr die Verbindung zu ihm verloren und war schlichtweg genervt von diesem Hin und Her, ob er Hannah nun helfen will oder nicht. Immer dieses Ja, Nein, unbegründete Eifersucht, Misstrauen - das wurde irgendwann sehr anstrengend.


8. fragwürdige charakterentwicklungen

Aber nicht nur Clays Charakter hat für mich eine fragwürdige Entwicklung durchgemacht, denn auch andere Charaktere haben sich in eher merkwürdige Richtungen entwickelt. Nehmen wir mal Tony, dessen dunkle Seite wir zwar in Staffel 1 schon angeteasert bekommen haben, die nun in Staffel 2 aber vielmehr zum Vorschein kommt. Dass Tony auf einmal so vehement gewalttätig ist, fand ich teilweise wirklich übertrieben. Klar, man wollte ihm abseits von Hannah eine eigene Geschichte geben, das hätte man meiner Meinung aber auch anders angehen können. Wieso muss es gleich so klischeebehaftet sein? Junge mit Migrationshintergrund, aus schlechten Familienverhältnissen wird gewalttätig und hält es nicht so mit dem Gesetz. Ich meine, echt jetzt?
Charaktere, wie Courtney, Ryan oder Marcus, die in der ersten Staffel noch um einiges präsenter waren, rücken nun auf einmal in den Hintergrund und kommen fast gar nicht mehr vor, außer wenn es um ihre Aussage bei der Verhandlung geht. Courtneys Coming Out vor Gericht fand ich im Übrigen auch sehr deplatziert. Es war gut und richtig, dass sie endlich zu sich selbst steht, allerdings hätte sie dafür nicht diese große Bühne ausnutzen müssen.
Auch Mr. Porters Entwicklung finde ich mehr als fragwürdig. Es ist nachvollziehbar, dass er sich nach Hannahs Tod und nachdem er sich ihre Tapes angehört hat, seinen Job in der Schule ernster nimmt und sich mehr um seine Schüler kümmert. Doch weniger nachvollziehbar war die Art und Weise, wie er die Sache anging. Man konnte sehen, dass auch ihn Hannahs Schicksal mitnahm, aber auf mich wirkte auch das eher aufgesetzt und so gar nicht relevant für die Gesamthandlung. 


9. belanglose Liebesgeschichten

Ebenfalls in die Kategorie Dinge, die wir nicht gebraucht haben waren einige Plotlines in dieser Staffel. Angefangen mit der Liebesgeschichte von Clay und Skye, die sich bereits im Finale der ersten Staffel angedeutet hat. Sehr schnell kristallisiert sich heraus, dass Clay noch immer Gefühle für Hannah hegt, das ist aber nicht das, was mich an dieser Beziehung am meisten stört. Ich fand es furchtbar, wie Skye dargestellt wurde. Überhaupt nicht mehr so, wie man sie kennengelernt hat. Und dass sie dann urplötzlich einen Rückfall hatte, wirkte auf mich auch eher so, als wollte man sie nur schnell loswerden, damit Clay sich weiter um Hannahs Fall kümmern kann. Wozu das Ganze also?
Auch auf den Love Triangle von Jessica, Justin und Alex hätte ich durchaus verzichten können. Für mich ist es nämlich unbegreiflich, wie Jessica, die immer wieder behauptet, Justin nie wieder sehen zu wollen, sich letztlich doch wieder auf ihn einlässt. Zumal sie ein paar Tage vorher sogar noch einen wildfremden Jungen geküsst hat. Das passt doch irgendwie hinten und vorne nicht zusammen. Natürlich sollte es ein Teil ihrer Recovery sein, aber wenn man ihr überhaupt wieder einen Love Interest beschafft, dann doch bitte einen unbelasteten Neuen.
Genauso merkwürdig war im Übrigen auch die kurzzeitige Liaison von Tyler mit der Schwester seines neuen Freundes. Es wirkte eher so, als wollte man ein paar Löcher in der Geschichte füllen mit irgendwelchen Liebesgeschichten, die weder Hand noch Fuß hatten. Gerade in dieser Staffel wäre man doch gut ohne all das Teenage-Liebesdrama gefahren, denn es gab schließlich genug anderes, das man stattdessen genauer hätte behandeln können.

13 Reasons Why © Netflix

10. hannahs eltern

Relativ früh erkennt man, dass Olivia Baker ganz alleine vor Gericht darum kämpft, dass die Schule an dem Selbstmord ihrer Tod Schuld trägt. Mein erster Gedanke war völlig richtig - die Bakers haben sich getrennt. Das hat mich eigentlich nicht verwundert, denn es ist doch oft so, dass Eheleute nach dem Tod des gemeinsamen Kindes auseinander driften. Aber das war nicht der Grund. Andrew Baker hat seine Frau betrogen und eine Beziehung mit einer anderen Frau begonnen, schon vor Hannahs Tod und Hannah wusste darüber Bescheid, wie sich später aufklärt.
Auch das war für mich ein eher schwieriger Plottwist, bei dem ich mich unentwegt fragte: War das jetzt wirklich nötig? Musste man das Schicksal dieser vom Tod ihrer Tochter gebrochenen Frau noch schlimmer machen? Offensichtlich.
Dass Hannahs Vater dann sogar nicht mal bei dem Gerichtsverfahren dabei war, sondern nur sporadisch an der Seite seiner Noch-Ehefrau stand, fand ich wahnsinnig traurig. Das damit zu erklären, dass er über Hannahs Tod nun mal hinweg war, war dagegen viel zu einfach und vor allem unsensibel gewählt, hatte er doch noch in Staffel 1 immer fest zu Olivia gehalten und mit ihr gemeinsam getrauert. Und wie man jetzt weiß, hatte er da bereits die Beziehung zu der anderen Frau. Deshalb wirkte diese Geschichte auf mich eher an den Haaren herbeigezogen und erweckte eher den Eindruck, als wollte man das Leben von Olivia Baker nur noch tragischer machen.


11. Das Gerichtsverfahren

Das ist der eine große Handlungsstrang, um den es in der zweiten Staffel geht, allerdings verfehlt dieses Gerichtsverfahren meiner Meinung völlig seinen Zweck. Es geht darum, herauszufinden, ob die Schule mehr für Hannah hätte tun können, ob sie Schuld trägt an ihrem Tod trägt, wird aber von den befragten Jugendlichen eher dazu genutzt, sich selbst in irgendeiner Weise darzustellen oder den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Darüber hinaus wird zur Urteilsverkündung so viel Spannung aufgebaut, bloß um alle mit großer Ernüchterung zurückzulassen. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, vor Gericht entweder zu gewinnen oder zu verlieren, doch diese Niederlage ist auf so viele Arten ernüchternd. Für Hannahs Mutter, für ihre Freunde, die ihr helfen wollten. Es wurde so viel Aufwand betrieben, Hannahs Charakter wurde von unterschiedlichen Seiten beleuchtet für nichts und wieder nichts. Es folgen keine Konsequenzen, für niemanden.
Nein, nicht ganz, denn es gibt ein weiteres Gerichtsverfahren, in welchem sich Bryce den Vergewaltigungsvorwürfen von Jessica stellen muss. Doch auch dort erfahren wir bloß große Ernüchterung, denn wie schon erwähnt, kommt Bryce mit gerade mal drei Monaten auf Bewährung davon. Getreu dem Motto Viel Lärm um nichts“.


12. die Polaroids

Im Trailer zur zweiten Staffel werden bereits die ominösen Polaroid-Bilder eingeführt. Zu Beginn scheint sich auch alles um diese kleine mysteriösen Bildchen zu drehen, die plötzlich und heimlich in den Besitz von Clay kommen. Der damit verbundene Druck und der Wille, herausfinden zu wollen, woher sie stammen, zieht zwar so seine Kreise, hat aber eigentlich weder Hand noch Fuß. Tatsächlich wirkt es auf mich sogar eher so, als sollten diese Polaroids ein Pendant zu den Tapes aus Staffel 1 Gegenstück werden, dies ist aber nicht gelungen.
Gerade dann, wenn es spannend werden sollte, fehlte genau das und ich habe mich unentwegt gefragt, wieso man diese Kiste überhaupt aufgemacht hat, vor allem wenn man weiß, dass das am Ende ohnehin alles für die Katz war, um es mal salopp auszudrücken. Klar, durch die Polaroids kommt Einiges ans Licht, aber das hätte man auch anders und vor allem besser verpacken können. 


13. Konsequenzen & Aufklärung

Wenn ich mir von dieser Staffel eines gewünscht habe, dann, dass massive Konsequenzen für einige Charaktere folgen und Aufklärung in vielen Bereichen betrieben wird. Wer solche Themen, wie Drogenmissbrauch, Waffengewalt und Vergewaltigung behandelt, der steht meiner Meinung nach ebenso in der Pflicht, sich vernünftig und gewissenhaft damit auseinanderzusetzen und darüber aufzuklären. Dies hat die Serie leider nicht geschafft. Sie zeigt keine Konsequenzen auf. Nein, es stimmt nicht ganz, sie zeigt nur allzu deutlich die Konsequenzen, die es für die Opfer hat. Die Täter allerdings kommen mit einem blauen Auge davon, wenn überhaupt sie überhaupt Konsequenzen erfahren. Es wirkt ein bisschen so, als würde der Täterschutz vor dem Opferschutz stehen, auch wenn ich mich nicht anmaßen würde, den Verantwortlichen diese Intention zu unterstellen.
Das vermittelt nur leider ein ganz falsches Bild und ich denke, eine Serie wie Tote Mädchen lügen nicht, die sich dafür prädestiniert, solche Themen zu behandeln, muss da einfach besser mit umgehen und vor allem mit einem viel besseren Beispiel vorangehen. Denn ich denke für viele Jugendliche nimmt diese Serie auch eine Art Vorbildfunktion ein, ganz egal, ob es nun fiktive Charaktere und fiktive Geschichten sind. In irgendeiner Weise beeinflusst es trotzdem das Denken eines jeden und ich befürchte, dass da das Problem liegt, denn genau hier wird auf vielen Ebenen gezeigt, wie es nicht laufen sollte.

Kommentare:

  1. Liebe Jenny,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag - ich glaube, so etwas zu lesen habe ich gebraucht, um eine Entscheidung zu fällen, ob ich die Serie nun schauen möchte oder nicht. Bereits nach dem 2. Punkt habe ich für mich entschieden, das ich das nicht tun sollte. Du hast nicht explizit erwähnt, was passiert ist, aber ich kann es mir gut vorstellen und ich glaube, damit werde ich nicht umgehen können. Ich bin sowieso jemand, der mit ungerechter Gewalt einfach überhaupt nicht klarkommt und wahnsinnig getriggert wird.
    Es ist sehr enttäuschend, dass sie die Serie nicht dafür nutzen, um die Themen, die sie behandeln, vorbildhaft darzustellen. Gerade Amoklauf und Waffen sind in Amerika ein sehr sensibles Thema. Besonders enttäuscht bin ich über die Darstellung von Vergewaltigungstätern und dem Victim Blaming - sie waren mein größter Vorbehalt die Serie zu schauen und jetzt bin ich mir sicher, dass ich es nicht tun werde.

    Danke nochmal für diesen ausführlichen Beitrag - es enttäuschend und gleichzeitig traurig zu sehen, dass eine Serie wie 13 Reasons Why seine Reichweite und Handlungsspielräume nicht nutzt, um seinen Zuschauern positive Werte zu vermitteln. Wie Hannahs Mutter den Prozess verliert, egal, wie realistisch das sein soll, möchte ich mir nicht ansehen - solche Fälle gibt es in der Realität genügend. Es wäre schön gewesen, einen Hoffnungsschimmer zu sehen.

    Liebe Grüße,
    Sanne

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    1. Liebe Sanne,

      ich bin so enttäuscht von dieser Staffel und ich kann dir auch nur abraten, sie dir anzugucken, weil ich ganz sicher weiß, dass sie dir nicht gefallen wird. Eben aus den genannten Gründen.

      Ich bin da auch völlig bei dir, dass gerade diese Serie so viel Potential bietet zu polarisieren und auch mal Optionen aufzuzeigen, wie es in der Realität aussehen könnte und sollte. Es ist schade, dass dieses Potential nicht ausgeschöpft wurde und die Serienmacher sich vielleicht noch nicht mal bewusst sind, was für Signale sie da eigentlich senden.

      Ich danke dir für deinen Kommentar <3

      Liebe Grüße,
      Jenny

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  2. 1/3
    Hallo Jenny,
    Also ich widerspreche dir in einigen Punkten, aber der Reihe nach.
    1) Ich habe das ehrlich gesagt gar nicht so gesehen. Für mich war klar, dass Bryce sich bewusst ist, dass er die Mädchen vergewaltigt. Er hat doch im Gericht im Zeugenstand bewusst gelogen, als es um Hannah ging und es wurde auch gezeigt, wie sehr es ihn anturnt, an die Vergewaltigung an Hannah zurückzudenken. Dass er nicht in unserem moralischen Sinne verurteilt wurde, habe ich mir schon am Ende von Staffel 1 gedacht. Denn das ist nun mal (leider!) die Realität, so hart es auch ist. Hast du ja bei der Me Too Debatte mitbekommen, wie viele Frauen da nicht ernst genommen wurden. Die Serie steht nicht für Happy End, sondern für reales, auch wenn es weh tut. Hast du die Inside Folge nach der zweiten Staffel gesehen? In der Folge zu Behind the Scenes (den genauen Titel weiß ich grad nicht mehr, bei mir lief das aber direkt im Anschluss, ist auf alle Fälle auf Netflix!) haben die Macher und Schauspieler noch mal ein paar Sachen besprochen und da ging es eben auch um das Urteil und sie haben sich für die Realität entschieden, obwohl das für manche Zuschauer vielleicht frustrierend sein könnte.
    2) Ich fand die Szene auch sehr schlimm, habe geweint und davon geträumt. Aber überlege mal, wie oft du schon eine Vergewaltigungsszene bei Männern im Fernsehen gesehen hast? Ich zum ersten und letzten Mal bei Outlander. Ansonsten werden nur Vergewaltigungen von Frauen gezeigt oder thematisiert, dabei sind Männer ebenso betroffen und an amerkanischen Schulen ist das tatsächlich eine Möglichkeit in der Art und Weise, wie in der Serie gezeigt. Viel zu viele männliche Vergewaltigungen bleiben unbekannt, weil die Männer sich nicht trauen, etwas zu sagen. Macht Tyler ja auch nicht und lügt seine Mutter an. Ja, solche Szenen sind schlimm anzusehen. Aber sie sind auch wichtig. Der Zuschauer soll für Tyler mitfühlen, ihn verstehen und gleichzeitig selbst wütend werden, um nachzudenken oder zu handeln, wenn es um Vergewaltigung von Männern geht.
    3)Der Tag des Schulballs ist datiert auf den 20. April. Ebenfalls am 20. April (1999) war das Columbine Shooting. Das haben die Macher nicht ohne Grund gewählt und auch äußerlich ist Tyler nach seiner Rückkehr etwas an Dylan (einer der beiden Columbine Täter) orientiert. Ich habe den Gebrauch von Waffen nicht als Botschaft an den Zuschauer gesehen (Verherrlichung), sondern im Kontext der Serie passend (wie leicht es in den USA ist, an eine Waffe zu kommen).
    4)Ich muss dir hier schon wieder widersprechen. Aber daran sieht man ja mal, wie unterschiedlich man Serien gucken und aufnehmen kann! Ist immer wieder interessant. Also ich habe das so gesehen, dass durch Justin klar gezeigt wurde, wie negativ Drogen sind. Die Folge, in der er sich ständig übergibt, das Ende, als er Clay anlügt und doch wieder zur Nadel greift, weil er einfach abhängig geworden ist und nicht loskommt. Das war für mich realistisch und obwohl ich eh nichts von Drogen halte, würde ich nach der Serie auch nicht sagen „Cool, das will ich mal ausprobieren!“ Bei der Party Szene wurde erst auf das typische Klischee zurückgegriffen (ich habe noch nie Drogen genommen, aber das tolle berauschende soll ja wirklich so sein), aber es wurde danach in der Szene im Cafe eben auch verdeutlicht, wie Hannah ein bisschen in ein schwarzes Loch fällt, ihre Selbtmord Gedanken offen äußert und Jeff sagt ja dann auch noch so etwas wie „Das ist normal, da müsst ihr durch“ oder so. Ich finde, die Storyline, in der Justin clean werden soll, soll in Kombination mit dem Ende eher heißen „So einfach ist es nicht.“ Weil er ja eben doch wieder zur Spritze greift. Ich denke die eigentlichen Konsequenzen (vielleicht verbaut er sich damit die eigentlich gute Chance auf ein intaktes Familienleben mit Clay und seinen Eltern) werden in Staffel 3 kommen. (Wenn es Staffel 3 geben wird, wovon ich aber ziemlich ausgehe).

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  3. 2/3
    5)Ich verstehe, was du meinst. Ja, ein guter Ausgang oder eine Staffel ohne Victim Blaming wäre schön gewesen, würde vielleicht Hoffnung und Mut machen etc. Aber es ist eben nun mal leider oft nicht real und ich denke, da haben sich die Macher vielleicht wieder lieber für den realen als den mutmachenden Weg entschieden.
    6)Hier kann ich dir nicht ganz folgen, weil ich wieder mehr mit Augen der Charaktere gesehen habe, aber da stimme ich dir natürlich zu, dass jeder in seiner Weise für Hannahs Selbstmord verantwortlich ist und darüber auch nicht urteilen darf. Ein „Aber es war doch nur Spaß“ entschuldigt nicht und spricht auch nicht ab, dass es für das Opfer eben kein Spaß war.
    7)Hier kann ich dir zu 100% zustimmen! Meine Güte, was hat mich Clay genervt. Seine Besessenheit von Hannah, seine Handlungen und Aussagen, ich habe manchmal so meine Augen verdreht oder tief seufzen müssen. Es wurde zum Ende hin besser, aber Clay war manchmal schwer zu ertragen und sympathisch für mich schon gar nicht. Es ist in Ordnung und logisch, dass er dieses perfekte Bild von Hannah hat, dass nach und nach zerstört wird, aber das hat mich trotzdem genervt. Genauso wie „Ghost Hannah“. Ich hätte etwas weniger davon besser gefunden und auch wenn es platt ist, etwas deutlicher, dass sie nun mal tot ist. Wenn er mit einer Wand geredet hätte anstatt mit ihr. Manche Szene hätten auch Flashbacks zu Staffel 1 sein können, weil sie eben real wirkte (war sie für ihn ja auch).
    8)Tonys Verhalten hat mich auch genervt. Ich mochte ihn in Staffel 1 sehr, aber in Staffel 2 war er für mich zum einen viel zu wenig präsent (ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wann Tony denn mal endlich wieder auftaucht) und als er dann endlich mehr Screentime bekommen hat, fand ich das blöd. Man kann es mir wohl auch nicht recht machen. Aber ich fand seinen Subplot generell eher, weiß nicht, unnötig? Unnötig in dem Sinne, dass sie für mich nicht allzu viel zum Charakter beigetragen hat (ich mochte ihn dann nur weniger) und zum anderen fand ich die Geschichte auch einfach nicht so spannend. Sein Freund war aber süß. Courtney und Ryan waren mir zu egal in dieser Staffel (weil ich sie in Staffel 1 gehasst habe), sodass ich eher froh war über ihre wenige Präsenz. Generell stimme ich dir da aber zu, die Balance war nicht da. (verständlich und logisch, aber für Fans von Courtney (?) ist das natürlich auch schade.
    9)Hier kann ich dir absolut zustimmen! Gott, war das unnötig und nervig und einfach nur…urgh. Mich hat Skys Geschichte wirklich null interessiert und sie hat auch überhaupt nicht zum Hauptplot beigetragen oder Clay geholfen. Er hat eh nicht aus seinen Fehlern gelernt und lügt Sky an, anstatt einfach mal den Mund aufzumachen, dass er eben gerade an Hannah gedacht hat. Alex hätte auch voll und ganz als LI für Jessica gereicht! Der Sex mit Justin am Ende war so unnötig und darauf habe ich jetzt schon keine Lust in Staffel 3.

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  4. 3/3

    10)Das habe ich noch nicht so gesehen. Für mich waren Olivia und Andrew einfach 2 verschiedene Beispiele, wie Eltern /Menschen mit dem Selbstmord der Tochter umgehen können. Mit Kämpfen etc. oder eher mit weiterleben, wohl auch Verdrängung etc. Das fand ich sowohl gut als auch realistisch.

    11)Wie schon weiter oben erwähnt, fand ich die Storyline eben realistisch und deswegen gut.

    12)Die Polaroids als Pendant für die Tapes ist ein guter Gedanke! Ich habe die eher so als Marketing Strategie wahrgenommen und als Beiwerk der Rahmenhandlung, aber ich muss dir zustimmen, dass sie nicht so super gut eingesetzt wurden. Diese ganzen Drohungen fand ich auch weder spannend noch sehr sinnvoll, das hat mich mehr an PLL erinnert und ich wollte die ganze Zeit „A“ sagen, wenn wieder eine Nachricht vorgelesen wurde.

    13)Dazu kann ich wie gesagt nur die Interview Reihe zur Staffel empfehlen. Da wird vielleicht noch mal einiges klarer.

    Alles in allem ein sehr interessanter Blog Beitrag, denn jeder sieht Serien anders, wie du auch an meinem sehr langen Kommentar gesehen hast. Aber in manchem gibt es dann doch wieder Übereinstimmungen.

    Danke für deinen Blickwinkel!

    Liebe Grüße,
    Yvonne

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    1. Liebe Yvonne,

      ich danke dir für deinen sehr ausführlichen Kommentar und finde es sehr interessant zu sehen, wie sehr sich unsere Auffassungen da doch voneinander unterscheiden :D Über manches, was du gesagt hast, habe ich z.B. auch noch gar nicht nachgedacht, wie z.B. Vergewaltigungsszenen von Männern. Da hast du natürlich recht, ich finde die Darstellung aber eben doch zu krass.

      Und du hast auch recht, dass die Storyline eben realistisch dargestellt ist und für gewöhnlich würde ich das auch befürworten, aber ich finde das eben gerade bei solchen Themen eher kritisch, eben weil man da in der Realität schon so solche Fälle vorfindet. Da hätte ich es schöner gefunden, wenn mal jemand mit gutem Beispiel voran geht und Möglichkeiten zeigt, wie es sein sollte, statt immer nur davon zu reden, dass man ja weiß, dass es auch anders sein sollte. Gerade diese Serie hat doch das Potential zu polarisieren und etwas zu bewegen und das haben sie meiner Meinung nach leider gar nicht ausgeschöpft.

      Aber so unterschiedlich können eben die Meinungen auseinander gehen und genau so sollte es, denke ich, auch sein :)

      Liebe Grüße!

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    2. Wenn ich hier auch kurz einschneiden darf:

      Es ist die Frage, für WEN diese Serie gemacht ist. Es ist schön und toll, wenn sich die Macher dazu entscheiden, eine realistische Serie zu drehen. Aber dann ist der Zweck dieser Serie nicht den Opfern der Taten, die in der Serie behandelt werden, eine Stütze zu bieten. Oder aufzuzeigen, dass es auch anders sein kann. In einem anderen Narrativ könnte 13 Reasons Why viel mehr sein: Es könnte Überlebende und Opfer eine Stimme geben, über ihre Erlebnisse zu sprechen und dadurch in der grausamen Realität Bewusstsein dafür zu schaffen und die Realität vielleicht damit zu verändern. Das ist eine Macht, die die Serie nicht nutzt.
      Sie nutzt sie auf eine andere Weise. Nämlich um ein nicht-betroffenes Publikum zu schockieren. Ich glaube nicht, dass Leute durch die explizit dargestellten Handlungen oder die unnötig realistischen Darstellungen "bewusster" darüber werden, welche Probleme unsere Gesellschaft hat. Dafür werden sie zu wenig reflektiert, weil die Serie zu sehr damit beschäftigt ist, zu schockieren. Allein Staffel 1 ist schon problematisch, weil sie nicht genügend Reflexion zeigt. Klar, für nicht-Betroffene ist alles so unglaublich und krass, aber auf Suizidgefährdete könnte die Serie Suizid verherrlichend und romantisierend wirken, und das ist eine Macht, mit der man sorgfältig umgehen muss, wenn man solche sensiblen Themen einbindet.

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    3. Ich sehe es genauso wie Yvonne, aber das ist wirklich Wahrnehmungssache. Jeder Mensch nimmt Situationen anders wahr und ich finde, dass sie natürlich schockieren aber auch aufrütteln, die "Wahrheit" zeigen, wie es tatsächlich ist und damit den Betroffenen Gehör schenken!
      Wenn man nur alles schön reden würde, würde es ja eben nicht polarisieren.
      Yvonne hat im Prinzip schon alles gesagt, was ich auch denke: schwieriges Thema, das eben dadurch zum Austausch anregt.

      Liebe Grüße, Aleshanee

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  5. Guten Morgen,

    ein sehr interessanter Beitrag, wobei ich deiner Meinung in einigen Punkten widersprechen muss, da ich das irgendwie ganz anders wahrnehme:

    1) Für mich war es überhaupt nicht überraschend, dass Bryce so glimpflich mit den Vergewaltigungen davon gekommen ist. Und ich muss sagen, dass ich es auch gut fand, dass dieser Weg gewählt wurde. Denn nur so wird den Menschen vor dem TV gezeigt, wie es in der realen Welt wirklich zugeht. Und da ist es nun einmal Fakt, dass die meisten Täter straffrei oder mit einer geringen Strafe davon kommen, da Aussage gegen Aussage steht und es nur selten Zeugen oder Beweise gibt. Hätte man Bryce hier so bestraft wie er es verdient hätte, dann hätten sich zwar alle gefreut, aber niemand würde weiter darüber nachdenken. Durch das sehr milde Urteil aber werden die Menschen aufgerüttelt und das ist in meinen Augen der perfekte Ansatz die Menschen zum umdenken zu bewegen.
    2) Hier stimme ich Yvonne komplett zu und so brutal das auch war, was dem Jungen angetan wurde, es war gut das so eine Szene vorkam. Außerdem ist es nicht erschütternd, dass wir einen solchen Missbrauch an einem Mann schrecklich finden und weinen, wenn wir aber in zahlreichen Actionfilmen eine Vergewaltigung einer Frau sehen, nimmt uns das kaum noch mit, weil es ja irgendwie "normal" ist?
    3) Bei den Waffen hatte ich auch das Gefühl, dass die Macher eher zeigen wollten wie schnell Kids in den USA an Waffen kommen können und welche Folgen das hat. Auf mich hat es nicht den Eindruck gemacht als wollten sie sagen "schaut mal wie toll Waffen sind".
    10) Dass der Vater bei Gericht nicht dabei war, war für mich auch wieder ein Beispiel aus dem realen Leben. Die meisten Ehen zerbrechen an so einem Schicksalsschlag und jeder geht damit anders um. Während die einen versuchen Frieden zu finden und weiter zu leben, kämpfen andere für Gerechtigkeit und widmen ihr ganzes Leben dieser Sache. Für mich war das durchaus realistisch dargestellt.

    LG
    Bettina

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    1. Liebe Bettina,

      wie ich schon sagte, ich finde eben, dass diese Serie durchaus das Potential gehabt hätte, von der Realität abzuweichen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie es sein sollte. Mit der traurigen Realität werden wir schließlich ständig konfrontiert, ich hätte es schöner gefunden, wenn man da einfach mutiger gewesen wäre.
      Vor allem im Fall von Bryce hätte ich das wichtig gefunden, weil diese Serie sich nun mal auch an junge Menschen richtet und man denen dann etwas total Falsches vermittelt. Nämlich, dass man mit sowas durchkommt bzw. dass Opfer nicht gehört werden.

      Und zu den Waffen: Sie zeigen ja aber auch nicht, dass Waffen gefährlich und erst recht kein Spielzeug sind. Da sehe ich eben das Problem.

      Wie ich schon sagte, natürlich kann man es den Machern zugute halten, dass sie so realitätsnah geblieben sind, aber für mich hätten sie da an einigen Stellen ruhig einen mutigeren Schritt wagen und in eine Richtung weisen können, die man sich für die Realität wünscht, statt den einfachen Weg zu gehen. Das wäre der richtige Schritt gewesen.

      Liebe Grüße
      Jenny

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  6. Mir ist grade noch was eingefallen zu deinem Punkt "Victim Blaming" über Jessica - den Begriff hab ich übrigens das erste Mal gelesen ^^

    Jedenfalls, warum soll man die Jugendlichen anlügen und ihnen "vorspielen", dass jeder ihnen glaubt und alles zu einem guten Ende führt, gerade weil es in der Realität nunmal sehr sehr oft ganz genauso abläuft? Und Jessica hat doch danach sogar noch gesagt, es ist okay oder so ähnlich und sie ist froh (!) dass sie es gemacht / gesagt hat und dass es zumindest zu der Anklage kam. Ich hab es nicht mehr genau vor Augen, was sie gesagt hat, aber so ähnlich war das. Und ich denke, dass genau das wichtig ist. Dass man sich traut überhaupt darüber zu reden.
    Wie enttäuschter wäre es denn wenn man in der Serie vorgespielt bekommt wie gut alles läuft: man muss nur aussagen und schon sitzt der Täter im Knast - die Wirklichkeit sieht dann aber ganz anders aus?

    Deshalb fand ich das ehrlich gesagt schon richtig so.

    Und wegen den Drogen, also eine "Verherrlichung" konnte ich da nicht erkennen ... grade bei Justin, der auf der Straße vor sich hin vegetiert, beim kalten Entzug ständig kotzen muss und es ihm richtig elend geht und dann doch wieder an der Nadel hängt. Gerade da sieht man doch, wie schlimm es ist und wie schwer man davon los kommt.

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    1. Liebe Aleshanee,

      also in meinen Augen hat das nichts mit "vorspielen" zu tun. Es ist doch so, dass wir in den Medien häufig mit solchen Fällen konfrontiert werden und man dort eben schon erfährt, wie mit den Opfern umgegangen wird.
      So vermittelt es eher den Eindruck, als würde es ohnehin nichts bringen, etwas zu sagen, weil der Täter sowieso nicht bestraft wird und das hilft niemandem. Für mich ist es eben nicht okay und ich finde auch nicht, dass es für Jessica okay sein sollte.

      Und zu den Drogen: Natürlich, der Entzug ist schlimm und die Abhängigkeit wird auch gezeigt, aber ich finde trotzdem, dass man das hätte anders angehen müssen. Ich meine, ein Entzug, der von Jugendlichen bei einem von ihnen Zuhause durchgezogen wird, statt in einer Einrichtung mit geschultem Personal ist eben schon etwas anderes. Das hätte ich nämlich ein viel besseres und vor allem abschreckenderes Beispiel gefunden. :D

      Liebe Grüße
      Jenny

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  7. Danke für den eher kritischen Beitrag! Zwischen dem ganzen Lob für die Serie fand ich das sehr angenehm zu lesen. Ein Grund 14, jedenfalls für mich, ist übrigens auch der Umgang mit dem drohenden Amoklauf. "Wir gehen hin und versuchen mit ihm zu reden und dann wird er schon nicht schießen" sendet in meinen Augen eine extrem gefährliche Message, besonders, wenn man bedenkt, wie viele school shootings es in den USA momentan gibt, die sicherlich nicht auf diese Weise verhindert werden können.

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    1. Liebe Katriona,

      da stimme ich dir total zu. Ich finde auch, dass das ein bisschen zu naiv gelöst wurde. Vor allem verstehe ich auch nicht, wieso man bei so vielen Themen darauf beharrt, realistisch zu sein und gerade bei dem drohenden Amoklauf wird vorher gestoppt und die Situation stattdessen total leichtsinnig gelöst. Ich stimme dir zu, dass das eine sehr gefährliche Message sendet.

      Liebe Grüße
      Jenny

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  8. Liebe Jenny!
    Zuallererst, ich stimme dir zu, ich finde auch, dass diese Staffel einfach ganz ganz falsche Signale gesendet hat. Ich finde auch nicht, dass man manche Dinge rechtfertigen muss, wie zum Beispiel, dass Bryce keine gerechte Strafe bekommt. Ja von mir aus mag das in der "richtigen Welt" so sein, aber eine Serie hat nun mal einen fiktionalen Anteil und diesen müssen und sollten Autoren dafür nutzen um eben ein solches grauenhaftes Verbrechen auch gebührend zu bestrafen! Was für ein Signal senden wir denn an 16-Jährige, und ich bin mir sicher auch unter 16-Jährige haben die Serie gesehen, wenn ein Verbrechen nicht gebührend bestraft wird, noch nicht mal in einer Serie in der wir die Schreiber sind? Das ist für mich der am größten und gravierendste Kritikpunkt an der Staffel.,dass Bryce damit davon kommt, obwohl sich Jessica stellt und es sogar einen Zeugen gibt, nämlich Justin, der zumindest eine angemessene Strafe für die Beihilfe bekommen hat. Auch in allen anderen Punkten kann ich dir nur zustimmen, Victim Blame, dann die vollkommen unnötige Gewalt in der 2x13, und einfach der rote Faden. Mir war am Ende überhaupt nicht klar, was mir die Serienmacher mit der Staffel sagen wollen?! Staffel 1 war zumindest noch orientiert am Buch und hatte damit die Funktion zu erzählen, wieso Hannah es getan hat und wie jeder daran Schuld hat, auch wenn er denkt, er habe niemals gemobbt. Aber Staffel 2, was sollte man uns damit sagen? Das man mit Vergewaltigung durchkommt und nur 3 Monate auf Bewährung erhält? Das es egal ist, das ein Mädel gemobbt und vergewaltigt wird, nur weil sie auch mal mit einem anderen Jungen geschlafen hat? Ich habe es nicht verstanden :(! Also ja, ich stimme dir zu!

    Und zu den bisherigen Kommentare: ja man kann eine Serie realistisch gestalten, aber wenn man die Realität zeigen will, dann macht man eine Dokumentation, und nicht eine fiktive Serie bei der man die Chance hätte zu zeigen wie es anders geht.

    Liebe Grüße,
    Sandra

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    1. Liebe Sandra,

      ich danke dir für deinen Kommentar! :) Dass Bryce eine gerechte Strafe bekommt, war auch so ziemlich das Einzige, das ich mir von dieser Staffel gewünscht habe ehrlich gesagt und dass das nicht passiert ist, macht mich einfach nur wütend. Vor allem auch im Vergleich dazu, dass Justin im Gegensatz dazu wegen Beihilfe härter bestraft wurde...

      Ich weiß im Übrigen auch jetzt noch nicht, was uns die Serienmacher mit dieser Staffel sagen wollen. Ich kann auch jetzt immer noch nur darüber schimpfen. Und ich bin sehr froh, dass auch andere meine Meinung teilen. :D

      Liebe Grüße,
      Jenny

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  9. Liebe Jenny,
    DANKE!
    Ich habe bei so vielen Handlungssträngen gedacht, dass es absolut nicht nötig ist, diese einzubringen, denn sie ergeben für mich keinen Sinn. Auf einmal ist Hannah ein Mobber, auf einmal ist die Freundschaft zwischen ihr und Tony nur "du schuldest mir etwas". Das hat mich so sehr enttäuscht.
    ich finde, dass die Staffel vor Plotholes nur so trotzt und alles was ich in der ersten Staffel gut fand, wurde zunichte gemacht.
    Total Schade!

    Toller Beitrag und ganz liebe Grüße,
    Rachel

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