Sonntag, 21. Oktober 2018

Viva la Vulva! | Girlsplaining

Bereits im vergangenen Monat war ich auf der Comic-Lesung von Katja Klengel, durfte dort bereits in ihrem neusten Werk Girlsplaining schmökern und war ganz begeistert. Katja Klengel geht dort nämlich grundlegenden Fragen auf den Grund, die uns als Frauen betreffen und uns das Leben manchmal doch sehr viel schwerer machen, als es sein müsste. Warum wir Viva la Vulva viel öfter zelebrieren sollten, erkläre ich euch heute in meinem Beitrag.


Wer kennt sie nicht? Männer, die einem die Welt erklären, weil sie doch so genau wissen, wie alles funktioniert. Witzig wird es vor allem dann, wenn sie uns dann Frauen erzählen wollen, wie wir uns zu verhalten und wie wir auszusehen haben. Gewiss sind nicht alle Männer so und ich würde auch niemals alle über einen Kamm scheren, doch das Phänomen des „Mansplaining“ ist leider kein seltenes.
Vermutlich hat sich Zeichnerin Katja Klengel deshalb gedacht, mit ihrem neusten Werk Girlsplaining auf diesen Zug aufzuspringen und besonders die Frauen über sich selbst aufzuklären.
„Der Körper und die Sexualität der Frau sind nach wie vor ein von Männern kontrolliertes Etwas. Wir Frauen haben gelernt, uns zu unterwerfen, und es ist schwer, das wieder zu verlernen. So langsam verspüre ich den Wunsch, mit meinen ‚untenrum‘ zu reden und zu reflektieren, was all die Jahre schiefgelaufen ist.“
Katja Klengel: Girlsplaining, S. 97
Alltagssexismus, vorgefertigte Geschlechterrollen  damit und mit noch viel mehr müssen wir uns tagtäglich herumschlagen. Und seien wir doch mal ehrlich, das nervt ganz schön. Und natürlich stellt man sich da die Frage, wozu das alles überhaupt? Etwa, um sich selbst besser zu fühlen? Eigentlich doch eher, um anderen besser zu gefallen.
Damit setzt sich auch Comic-Katja auseinander. Beine rasieren ist eine so lästige Angelegenheit, wieso machen wir es also trotzdem? Weil die Gesellschaft das so will. Also fügen wir uns dem, auch wenn wir vielleicht gar nicht wollen. Witzig, wie sehr wir uns von anderen vorschreiben lassen, was angemessen oder gar schön ist und was nicht.
Dabei sollte doch nur zählen, was man selbst möchte und nicht, was die Gesellschaft einem aufzwingt. Und das lässt sich nicht nur auf Körperbehaarung, sondern auch auf viele weitere Bereiche ausweiten.

Witzigerweise ist es auch die Gesellschaft, die den Gebrauch des Wortes „Vulva“ offenbar nicht annimmt, obwohl wir damit sogar ein sehr gebräuchliches Wort hätten, um über das weibliche Geschlechtsorgan zu sprechen. Warum wird es also nicht genutzt, sondern lieber irgendwelche Synonyme dafür verwendet? Na ja, falls man es überhaupt darüber spricht, denn Weiblichkeit sowie die weibliche Lust zählen schließlich immer noch zu den Tabuthemen. Dabei sind wir doch schon längst über diese wahnwitzigen Annahmen Hippocrates' hinweg, dass der weibliche Uterus hysterisches Verhalten auslöst – Überraschung, das hat nämlich so gar nichts miteinander zu tun.

Und diese Sache mit den geschlechtsspezifischen Spielzeugen ist auch noch immer so ein Ding, bei dem man nicht aufhören kann, die Augen zu rollen. Comic-Katja bringt es genau auf den Punkt, wenn sie sagt, das Spielzeug glücklich machen soll und dies keinesfalls an ein Geschlecht gebunden ist.
Natürlich werden Eltern da ganz klar von der Spielzeugindustrie beeinflusst, die ihre Spielzeuge ganz deutlich als „nur für Mädchen“ und „nur für Jungs“ deklarieren. Doch ganz ehrlich, ich habe früher auch mit der Playmobil Ritterburg meines Bruder gespielt. Außerdem interessiere auch ich mich für „Männersports“ wie Fußball oder Eishockey  so what. Macht mich das jetzt weniger zur Frau? Nein, natürlich nicht. 























GEDANKEN NACH DEM LESEN

  • Waaas? Warum ist es schon vorbei?
  • Ich will mehr davon lesen!
  • Katja macht auf so wichtige Themen aufmerksam, über die ich selbst noch nicht so nachgedacht habe
  • und die ganzen popkulturellen Referenzen sind so super und bringen einem das Ganze dadurch noch näher
  • man kann definitiv etwas für sich aus dem Comic mitnehmen und lernt dazu auch noch etwas über sich selbst (bzw. den weiblichen Körper)


ZUSAMMENFASSUNG

In Girlsplaining erklärt Katja Klengel uns ihre Welt. Nein, nicht ganz. Girlsplaining ist an sich auch kein Aufklärungswerk, sondern eine wunderbar feministische Darstellung aus der Sicht einer Frau, der die Fehler in unserer heutigen Gesellschaft aufgefallen sind und die diese auf humoristische und selbstironische Art anspricht, um so zu deutlich zu machen, wie veraltet und weit hergeholt diese Annahmen doch sind.
Dabei spricht Katja ganz schonungslos darüber, wieso man das Wort „Vulva“ eigentlich nicht in den allgemeinen Sprachgebrauch aufnimmt, sondern es eher tabuisiert. Oder auch, dass Spielzeug nach Geschlechtern getrennt wird, was eigentlich wahnsinnig bescheuert ist.
Die popkulturellen Referenzen bringen Witz hinein und lockern die Stimmung auf, was jedoch die Ernsthaftigkeit des Comics keinesfalls schmälert. Man sollte jedoch nicht außer Acht lassen, dass der Comic autobiographisch gefasst ist, die dargestellten Ansichten also subjektiv sind, was das Gesagte, meiner Meinung nach, jedoch nicht weniger aussagekräftig und wahrheitsgetreu macht.
Girlsplaining hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Es hat mich oft zum Schmunzeln gebracht, aber auch zum Nachdenken angeregt. Wer sich mit Feminismus, besonders in Comics, auseinandersetzen möchte, dem kann ich Girlsplaining wärmstens empfehlen. 


BUCHDETAILS

Titel: Girlsplaining
Zeichnerin: Katja Klengel
Farben: Katja Klengel & Adrian vom Baur
Lettering: Michael Hau
Verlag: Reprodukt
Preis: 18,00€
Sonstiges: Hardcover, 160 Seiten

Die Buchdetails sind der Webseite von Reprodukt entnommen.
Vielen Dank an Filip Kolek für das Rezensionsexemplar!


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