Dienstag, 21. April 2020

Depression ist ein Arschloch » #MentalMonday

Ja, ich weiß, heute ist Dienstag und es ist schon zu spät für den #MentalMonday. Aber ich hatte die letzten Tage zu viel im Kopf, um mich hinzusetzen und diesen Beitrag zu schreiben. Eigentlich wollte ich den Montag auch ganz bewusst noch abwarten, bevor ich mich an diesen Beitrag setze und das hat einen guten Grund. Letzte Woche ging es mir wirklich schlecht und das hat mir gezeigt, wie ernst Depressionen doch sind und welche Ausmaße diese Krankheit haben kann. Das musste ich auch erst mal verarbeiten und darüber möchte ich heute mit euch reden.


Depression ist ein Arschloch. Punkt. Das ist keine neue Erkenntnis, aber letzte Woche wurde mir das wieder einmal klar. Es ist eine Krankheit, die uns sehr beeinträchtigen kann und uns in die Knie zwingt. Vor allem aber pflanzt diese Krankheit negative Gedanken in unseren Kopf. Oder zumindest ist das bei mir der Fall. 

Letzte Woche hat meine Depression knallhart zugeschlagen. Am Mittwochabend, als die Verlängerung der Kontaktsperre sowie die Absage von Großveranstaltungen bis Ende August angekündigt  wurden, riss mir das – erneut – den Boden unter den Füßen weg. Am Donnerstag hatte ich dann den Totalausfall. Ich habe den ganzen Tag im Bett gelegen. Zwischendurch bin ich aufgestanden, habe geduscht und gefrühstückt, doch zu mehr war ich nicht in der Lage. Irgendwann nach 15 Uhr ist mir dann aufgefallen, dass ich den ganzen Tag noch nichts getrunken hatte. Ich habe es schlichtweg vergessen. Weil mir zu viel im Kopf herumspukte. Zu viele negative, teilweise echt beängstigende Gedanken spukten umher und zogen mich noch weiter runter. Ich habe mich allein und vor allem völlig verloren gefühlt. Glücklicherweise hatte ich am Nachmittag meine Therapiesitzung. So war ich gezwungen, mich fertig zu machen und raus zu gehen. Und als ich dann meiner Therapeutin von all dem erzählte, ging es mir auch ein wenig besser. Dieses Gefühl zog sich auch über das ganze Wochenende. Aber machen wir uns nichts vor, nur weil es mal ein paar Tage gab, an denen nicht alles scheiße ist, ist nicht alles wieder in Ordnung.

Gestern, am Montag, hatte ich meinen Termin beim Psychiater. Meine Antriebslosigkeit ist nicht besser geworden und auch meine Lebensfreude hat mittlerweile ziemlich gelitten. Es gibt schlichtweg nichts mehr, worauf ich mich freue, weil ich mich gar nicht mehr traue, mich auf irgendetwas zu freuen. Im Rahmen meiner Therapie habe ich schon einiges probiert, aber nichts hat geholfen. Dementsprechend haben meine Therapeutin und ich entschieden, dass wir den nächsten Schritt gehen und es mit Medikamenten probieren wollen. Ich hatte echt Glück so zügig einen Termin beim Psychiater zu bekommen. Nicht mal zwei Wochen musste ich warten. Dank der aktuellen Lage sagen eben doch hin und wieder Leute ab und so war es mir möglich, so schnell einen Termin zu bekommen. Vor dem Termin hatte ich natürlich Angst. Denn was, wenn der Psychiater meine Probleme nicht ernst nimmt? Wenn er nicht sieht, dass ich so nicht weitermachen kann?

Doch natürlich war es total unbegründet. Das Gespräch lief gut und ich habe jetzt ein Antidepressivum verschrieben bekommen. Damit wollen wir versuchen, meine Antriebslosigkeit in den Griff zu bekommen. Heute starte ich damit und mal gucken, wohin mich das führt. Grundsätzlich bin ich auch eher dafür, so lange wie möglich auf Medikamente zu verzichten, aber ich bin jetzt an dem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr weiter weiß und ich dementsprechend jede Hilfe annehme, die ich bekomme.

Ich nehme nun also Tabletten und hoffe, dass es mir damit bald besser geht. Warum erzähle ich euch das? Vielleicht, um mir selbst vor Augen zu führen, dass es keine Schande ist. Dass ich nicht schwach bin, weil ich diese Art von Hilfe brauche. Das ist nur meine Depression, die mir das einreden will. Weil diese Krankheit nun mal ein Arschloch ist. Deshalb ist es wichtig, nicht aufzugeben und immer weiter zu kämpfen. Man will schließlich stärker sein als diese Krankheit.

1 Kommentar:

  1. Ich habe mir auch lange Zeit diese sehr wichtige Unterstützung nicht gewährt, weil ich sie immer als einen "letzten Ausweg" gesehen habe.. Aber mittlerweile sehe ich das absolut anders! Meine Schilddrüse braucht eine Tablette um "richtig" zu funktionieren, meine Herz braucht eine Tablette um "richtig" zu funktionieren und jetzt eben auch mein Hirn.
    Depressionen sind eben keine Charakter Fehler oder schlechte Angewohnheiten.. Es ist eine Krankheit. Eine Krankheit, die bei manchen Leuten medikamentös behandelt werden kann/muss. Denn wenn die Chemie im Hirn nicht stimmt, dann kann irgendwann auch kein optimiertes Verhalten und positives mindset mehr helfen..

    Halt die Ohren steif und ruf dir immer wieder ins Gedächtnis, dass du nicht alleine bist <3

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