Freitag, 20. Juli 2018

Rezension: Spinster Girls - Was ist schon normal?


Sicherlich habt ihr von anderen Bloggern von den Spinster Girls gehört, einer neuen Reihe der britischen Autorin Holly Bourne, die sich unter anderem mit psychischen Erkrankungen und Feminismus befasst. Beides Themen, die heutzutage viel diskutiert werden und die sie daher noch wichtiger machen. Heute möchte ich euch die Spinster Girls mal vorstellen, ihr solltet also unbedingt weiterlesen, wenn ihr erfahren wollt, worum es in dem Roman eigentlich geht.



WORUM GEHT ES?

Evie möchte nichts mehr, als endlich normal zu sein, denn so hat sie sich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gefühlt. Therapie, Medikamente und Zwangsstörungen bestimmen ihren Alltag, doch sie ist dabei, sich die Kontrolle über ihr Leben wieder zu holen. Schließlich geht sie nun auch wieder zur Schule, was ihr neben den psychischen Problemen nun auch die ganz normalen Teenager-Probleme beschert.
Ihre beste Freundin Jane bekommt nicht genug von ihrem neuen Freund, weshalb sie Evie oft fallen lässt. Doch zum Glück trifft sie auf Lottie und Amber, mit denen sie sich quasi sofort blendend versteht. Zu dritt gründen sie schließlich den „Spinster Girls Club“, in welchem sie Gender-Fragen und Rollenzwängen auf den Grund gehen und diskutieren. Darüber hinaus dürfen natürlich auch Gespräche über Jungs und geheime Liebschaften nicht fehlen. Nur von ihrer Krankheit erzählt Evie ihnen nicht, denn sie hat zu große Angst davor, als verrückt abgestempelt zu werden. Ihr größter Wunsch ist es „normal“ zu sein, allerdings weiß sie irgendwann selbst nicht mehr so genau, was sie sich eigentlich darunter vorstellt. Denn, was ist schon normal?

„Psychische Erkrankungen packen dich am Bein und verschlingen dich trotz aller Gegenwehr mit Haut und Haaren. Sie machen selbstsüchtig. Sie machen dich irrational. Sie verpassen dir einen Tunnelblick. Sie machen, dass du in letzter Minute Verabredungen absagst. Sie machen dich langweilig. Sie machen, dass deine Gesellschaft wahnsinnig anstrengend wird.“
Holly Bourne: Spinster Girls - Was ist schon normal?, S. 91

REZENSION

Nachdem ich bereits von anderen Bloggern nur Positives über den ersten Band der Spinster Girls-Reihe gehört habe, war ich selbst natürlich ganz gespannt und neugierig. Wenn von einem Roman ein solcher Hype ausgeht, bin ich immer etwas skeptisch. Doch ich kann mit guten Wissen und Gewissen sagen: Der Hype um die Spinster Girls ist definitiv gerechtfertigt!
In Spinster Girls - Was ist schon normal? spricht Autorin Holly Bourne eine ganze Reihe wichtiger Themen an, die in den vergangenen Jahren eher totgeschwiegen wurden. Natürlich ist die Romanreihe schon vor drei Jahren im Englischen erschienen, das nimmt ihm aber dennoch nicht die Wichtigkeit und Aktualität.

Ihr fragt euch sicher, wieso. Nun, es werden psychische Erkrankungen thematisiert und vor allem der Zielgruppe, nämlich Jugendlichen, gerecht erläutert. Nicht nur das, es wird sogar sehr realistisch und sensibel mit dem Thema umgegangen und eben von der Seite einer Betroffenen beleuchtet. Mir ist immer noch das Kapitel mit der Überschrift „Was mich im Umgang mit psychischen Erkrankungen so richtig ankotzt“ im Gedächtnis, das sich vielleicht jeder einmal zu Gemüte führen sollte, um für den Umgang mit psychisch Erkrankten sensibilisiert zu werden.
Ich habe mich durch Evies Krankengeschichte so viel besser aufgeklärt gefühlt, als zum Beispiel durch John Greens neuen Roman, der sich mit einem ähnlichen Krankheitsbild beschäftigt.

Evie ist im Übrigen die Protagonistin des Romans, der zudem aus ihrer Ich-Perspektive erzählt wird. Das heißt, es wird dem Leser sogar noch einfacher gemacht, sich in sie hineinzuversetzen. Ich fand ihren Charakter spannend, wenngleich manchmal auch etwas anstrengend. Dafür hat man aber ganz deutlich eine Entwicklung in ihrem Charakter gespürt, was mir sehr gut gefallen hat.
Auch die anderen Charaktere haben mir allesamt gut gefallen. Na gut, Jane ist mir gehörig auf die Nerven gegangen. Die wollte ich am liebsten an den Schultern packen und wach rütteln, so besessen wie sie von ihrem Freund ist. Aber alles in allem hat die Autorin hier ein buntes Potpourri an Charakteren zusammengestellt, die, obwohl sie so verschieden sind, sehr gut miteinander funktionieren.
„‚Manic Pixie Dream Girl. Oder MPDG, wenn ihr euch anhören wollt, wie es vor ein Jahren gewesen wäre.‘
‚Hä?‘
Lottie zeigte energisch aufs Display. ‚Das ist so was wie eine männliche Wunschvorstellung, aber Mädchen tun so, als gäb’s das wirklich. Im Grunde so eine Art Wiederkäuer vom Heilige-Hure-Komplex, aber in tollen Secondhand-Klamotten.‘“
Holly Bourne: Spinster Girls - Was ist schon normal?, S. 178
Was diesen Roman für mich ganz besonders auszeichnet, ist natürlich der Spinster Girls Club, den Evie mit Lottie und Amber gründet. Obwohl der Ausdruck „Spinster“ eher negativ konnotiert ist, wollen die Mädchen den Begriff revolutionieren und ihm eine positive Bedeutung zukommen lassen. Ein guter Ansatz und auch die Themen, die die Mädchen während ihrer Clubtreffen ansprechen sind wichtig und richtig.
Besonders interessant fand ich zum Beispiel die Szene, in der Amber auf den Bechdel-Test zu sprechen kommt. Etwas, was vielen vermutlich nichts sagt, deshalb nochmal zur Erklärung: Der Bechdel-Test besteht darin, dass zwei Frauen in einem Film eine Unterhaltung führen müssen, die sich nicht um Männer dreht. Ihr werdet nicht glauben, wie viele Filme diesen simplen Test nicht bestehen.
Darüber hinaus werden auch weitere feministische Ansätze angesprochen und diskutiert. Dass dies im Rahmen eines Jugendbuches und im Roman von Jugendlichen selbst inszeniert wird, finde ich großartig. Das ist fortschrittlich und sollte eigentlich gar nicht so hervorgehoben werden, weil es selbstverständlich sein sollte. Das ist es aber leider noch nicht.
„Ein Spinster Girl sein heißt, dass man seine Beziehungen zu Frauen genauso wertschätzt wie die zu Männern.“
Holly Bourne: Spinster Girls - Was ist schon normal?, S. 181
Neben psychischen Erkrankungen und Feminismus geht es in dem Roman natürlich auch um die erste Liebe und, was ganz wichtig ist, um Freundschaft! Die Freundschaft der drei Mädchen ist so schön, rein und stark, dass ich davon nur schwärmen kann. Natürlich ist nicht immer alles rosig, man muss sich auch mal streiten können, doch Evie, Lottie und Amber harmonieren so schön miteinander und stärken und unterstützen sich gegenseitig. Es ist so viel Frauenpower vorhanden, das ist einfach schön zu lesen. Ich möchte bitte mehr davon!


FAZIT

Mit Spinster Girls - Was ist schon normal? ist Holly Bourne ein großartiger Auftakt einer Reihe gelungen. Der Roman behandelt nicht nur Themen wie Liebe und Freundschaft der jugendlichen Protagonisten, sondern geht auch auf psychische Erkrankungen und Feminismus ein, was heutzutage beides sehr diskussionsreiche Themen sind. Die Spinster Girls konnten mich durch die realistische und sensible Darstellung dieser Themen sehr begeistern. Es gibt so viele Stellen, die ich mir markiert habe, weil ich sie großartig geschrieben fand oder es gut fand, dass jemand diese Gedanken tatsächlich mal ausformuliert hatte. Deswegen bekommen Holly Bournes Spinster Girls nicht weniger als fünf von fünf Kreuzen von mir. Ich gehe tatsächlich sogar so weit und bezeichne diesen Titel als mein bisheriges Jahreshighlight.



BUCHDETAILS

Titel: Spinster Girls - Was ist schon normal?
Autor: Holly Bourne
Übersetzung: Nina Frey
Verlag: dtv junior
Preis: 10,95€
Sonstiges: Klappenbroschur, 416 Seiten

Die Buchdetails sind der Webseite von dtv entnommen.
Vielen Dank an Stefanie Broller und dtv für das Rezensionsexemplar!

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